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Jassillia

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Gilde: Die gekreuzten Klingen

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Dienstag, 13. Februar 2018, 07:19



Stadtgeflüster in Wegesruh


Es war gegen Mittag, als die zwei Argonier endlich das nördliche Tor von Wegesruh passieren konnten. Es war nicht unüblich, dass man in der geschäftigen Stadt eine gewisse Zeit lang warten musste, bis man endlich ins Innere der Mauer kam, da sich Reisende, fahrende Händler, Jäger und allerlei anderes Volk durch die Tore schieben wollten. Am nahe gelegenen Brunnen hielten die Saxhleel an. Beide genossen sie ein paar Augenblicke die Sonne und das Plätschern des Wassers. Raaktaz wandte seine roten Augen zu seinem "Bruder", welcher den Blick erwiderte.

"Das tut gut", merkte der Argonier an. Er sprach in Jel, sodass sie keiner der hunderten von Passanten verstehen konnten. Andere Argonier waren gerade nicht zu sehen.
"Xhu, die Sonne ist immer gut", entgegnete Raak, dann nickte er zu dem großen Gasthaus hinter dem Brunnen, "Dort wirst du dich stärken können. Die Preise sind halbwegs akzeptabel. Ich gebe dir noch etwas Geld." Raak "winkte" sein Gegenüber mit zwei Finger unauffällig näher. Der Argonier machte einen Schritt vor und bekam ein paar Goldmünzen in die Hand gedrückt. "Mehr kann ich nicht für dich tun. Ab hier musst du alleine klar kommen, Pejoola."
"Danke. Das wird schon gehen. Lieber schlafe ich hier in der Gosse, als dass ich bei diesen...miesen Sklavenhaltern weiter hätte schuften müssen."

Raaktaz hob eine Lefze an, nickte dann jedoch ernst. Auch wenn er selber nie in einer solchen Situation war, so konnte er sich vorstellen, dass ein solches Schicksal die reinste Erniedrigung gewesen sein musste. Eingefangen im eigenen Land, verschleppt von Sklavenjägern über die halbe Welt, dazu verdammt, für irgendwelche Banditen zu arbeiten, obwohl es offiziell in den meisten Ländern Tamriels keine Sklaverei mehr gab. Offiziell.

"Wenn du nicht gekommen wärst..." Pejoola schüttelt den Kopf und zischelte leise, dass sich ein kleiner Junge in der Nähe zu ihm umwandte und dann schnell weg lief.
"Danke, dass du die Marschen verlassen hast, um einem Bruder zu helfen."
"Die Familie hält zusammen. Aber da sind noch mehr. Viel mehr."
"Wenn du Hilfe brauchst...? Meine Mittel sind nur gerade..."
Raak hob sachte eine Hand an: "Nicht nötig. Es wird schon gehen. Außerdem kann ich mir Hilfe holen, wenn ich welche brauche."
"Von diesen Rittern?" Pejoola schrägte das Haupt.
"Unter anderem. Von ihrem Schloss aus kann ich jeweils meine nächsten Schritte in Ruhe planen. Selbst diese Lederrüstung haben sie mir gegeben, ganz umsonst."
Pejoola lachte kurz auf. Es klang wie ein Fauchen. "Du alter Lump. Haben sie auch ein hübsches Saxhleel-Weibchen für dich?"
Raak hob nur eine Lefze an.
"Jaja, du mal wieder. Singt-mit-Winden hatte kurz vor meiner Entführung nach dir gefragt. Schreib ihr mal."
Raak blinzelte mit den Nickhäuten. "Mal sehen. Ich habe noch zu tun."
Pejoola nickte. "Nun gehst du zurück zu den Rittern?"
"Nicht ganz, ich muss hier noch etwas erledigen. Deshalb...du entschuldigst mich? Wir sollten auch nicht mehr zu lange beisammen stehen. Zu gefährlich."

Pejoola nickte. "Xhu. Ich mache mich auf. Danke noch einmal, Bruder. Du hast meine Schande gerächt und mir in Erinnerung gerufen, warum man dich Raak-Taz, Jagt-leise, nennt. Hoffentlich werde ich dich niemals erzürnen. Möge die Mutter der Nacht über dich wachen."
"Und über dich die Hist."

Pejoola nickte knapp. Dann setzte er sich in Bewegung und verschwand in der Menschenmenge. Raak blickte sich noch einen Moment um. Er bemerkte selber erst nach ein paar Atemzügen, dass seine Hand den Anhänger, welchen er vor einigen Tagen im Beisein der Gekreuzten Klingen gefunden hatte, umschloss. Er blinzelte mit den Nickhäuten und hob den Anhänger an, um ihn zu betrachten.

"Für mein kleines Mädchen."

Es war nicht das erste Mal, dass der Saxhleel den Anhänger und die Aufschrift betrachtete. Er konnte sich selber nicht erklären, warum ihn das kleine billige Ding so beschäftigte. War es verzaubert?, dachte er, mehr als Scherz gemeint. Aber wie ein Zauberkleinod ließ ihn die Sache nicht los. Er wollte herausfinden, was es damit auf sich hatte.

Er steckte den Anhänger wieder weg und ging los. Es war Zeit, ein bisschen Detektiv zu spielen.

Dort, wo Wahrheit und Mut miteinander verbunden werden, liegen die Geheimnisse der Gerechtigkeit.
Sie darf nicht gezügelt werden, denn sie leuchtet nicht auf in den Kriegsnebeln...

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Deikan (13.02.2018)

Jassillia

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Donnerstag, 15. Februar 2018, 07:08

<Ein Brief trudelt mal wieder ein. Die Schrift ist sauber und gut leserlich.>

Ordensmeisterin Jassilia,

ich habe meine Aufgaben, die ich hatte, erledigt und mich in den letzten Tagen der Sache mit dem Anhänger gewidmet.

Ich konnte zunächst den Händler, der den Anhänger verkauft hat, ausfindig machen. Er konnte sich an den Käufer des Schmuckstücks erinnern. Es war ein Soldat, welcher die Kette für seine Tochter kaufte und selber mit der Gravur versah. Allerdings fiel er im Krieg.

Die Tochter lebt mit ihrer Mutter (ich möchte anmerken, dass sie sehr alt wirkt und vielleicht doch die Großmutter ist) in einem Gehöft mit einer Mühle - ein Tagesmarsch nördlich von Wegesruh. Also nicht all zu weit entfernt von dem Ort, an dem ich die Kette fand.

Ich habe das Gehöft aufgesucht. Es sieht alles heruntergekommen aus. Es ist nur die Mutter hier, ihr Name ist Anna Ledoux. Die Kommunikation mit ihr ist schwierig, da sie kaum sprechen kann und nichts mehr hört. Sie konnte mir aber verständlich machen, dass ihre Tochter seit ungefähr 30 Tagen verschwunden ist. In ihrem Haus ist ein Bild der Tochter. Sie ist nicht mehr ganz ein Schlüpfling und scheint, wie Ihr Menschen zu sagen pflegt, eine Jugendliche zu sein und hört auf den Namen Lucie.

Die Mutter kann und will sich nicht aus dem Haus bewegen. Ich werde bei ihr bleiben und so weit es geht versorgen. Vielleicht kann ich sie stärken, sodass ich mehr herausfinde. Wenn Ihr jemanden zu mir schicken könntet, wäre das allerdings auch hilfreich. Auf dem zweiten Papier findet Ihr eine Wegbeschreibung.

Raaktaz

<Tatsächlich ist auf der nächsten Seite eine detaillierte Wegbeschreibung, obwohl der Weg von Wegesruh aus weder weit noch kompliziert ist.>



In einen wärmenden Mantel gehüllt, stand er dort, schwer auf einen Stock gestützt und betrachtete die Auslegeware an wahrlich billigem Schmuck. Er wirkte wie viele, die an diesem Sundas den Markt aufsuchten. Er wirkte wie viele andere Reisende, die sich ein Andenken aus Wegesruh ergattern wollten.
Mit behandschuhten Fingern nahm er einige der Ketten auf und drehte und wendete die kleinen Anhänger, die noch auf eine Gravur warten sollten.
"Ich nehme alle", so schenkte er Liliane ein Lächeln.
"Alle?", noch hielt sie die Rose von Raak Taz in Händen und freute sich über ein solch seltenes Geschenk, gerade zu dieser noch kühlen Jahreszeit. Das Glück schien ihr an diesem Tage wahrlich hold zu sein.
"Alle, wenn Du mir einen guten Preis machst". Das klassische Gebaren eines Händlers, nicht mehr und nicht weniger.
Liliane, eine junge Frau von ungefähr 20 Sommern mit feuerroten Locken in guter Länge, die ihrem kranken Vater half, abseits von Herd und Stall, schien mit dieser Situation nun doch überfordert zu sein. Wie viel sollte man denn nun nehmen, für _alle_ ?
Schnell legte sie die Rose zur Seite und begann zu rechnen. Ein toller Tag, eine grandiose Belohnung für das lange Stehen zwischen Kathedrale und Wachheinheiten.
"Das macht...das macht, Augenblick, ich hab`s gleich!", lachte sie fröhlich und doch verlegen.
"Keine Sorge mein Kind, ich habe Zeit", er schmunzelte und schien so unbeteiligt, wie man nur sein konnte. Die umstehenden Händler schmunzelten ebenfalls. Sie mochten Liliane und freuten sich über ihr gutes Geschäft.
"So viel macht es!", ein Zettel wurde in seine Richtung gedreht. Der Fremde wog den Kopf hin und her.."Ein stolzer Preis, aber dafür bringst Du mir die Sachen zu meinem Pferd." er hob den Stock, auf den er sich stützte.
"Oh...klar, mach` ich!"
Hach, es war ja so einfach, mit Mitleid zu spielen..
"Ich passe in der Zeit auf Deinen Stand auf, geh ruhig, Liliane", so die angebotene Hilfe einer Händlerin, die neben ihr Backwaren und frisches Zuckerwerk anbot und dem Fremden freundlich zunickte, ehe sie aber ihre eigenen Kunden bedienen musste und frische Brötchen in einen Korb legte.
"Zu den Stallungen?", fragte die junge Frau.
"Zu den Stallungen", er zahlte den verlangten Preis und nickte der Bäckersfrau noch freundlich zu, ehe er Liliane für den Moment eindringlich musterte und wie sie sich zu den Kisten bückte. "Ich warte dann dort auf Dich."
"Ich beeile mich!", das Glück sprudelte förmlich aus ihr raus, so viel Geld und dann noch diese Rose.

Zurück blieben ein leerer Stand und eine Rose von Raak Taz.

Und das sollte auch so bleiben..
~~~

Auch Liliane sollte ein neues Zuhause finden, wie Lucie eines gefunden hatte. Ein Zuhause, wie sie es noch nie zuvor zu Gesicht bekommen hatte. So viele Mädchen und jeder stand etwas anderes ins Gesicht geschrieben.

Dort, wo Wahrheit und Mut miteinander verbunden werden, liegen die Geheimnisse der Gerechtigkeit.
Sie darf nicht gezügelt werden, denn sie leuchtet nicht auf in den Kriegsnebeln...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jassillia« (15. Februar 2018, 07:16)


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Spiffypurse (15.02.2018)