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Gilde: Die gekreuzten Klingen

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Sonntag, 8. September 2019, 09:53



Der Tag der Abreise

Das Zerwürfnis mit dem Prinzen war schnell vergessen, galt es heute in See zu stechen.
Da man das erste mal ohne die Pferde aufbrechen sollte, waren die beiden Schiffe verhältnismäßig zügig mit Waren aller Art bestückt worden. Bei guter See rechnete man mit zwei bis drei Wochen auf hoher See. Nun musste das Wetter mitspielen, sollte die Route über den Norden gehen.
Welche Gefahr dabei bestand, darüber musste man nicht lange nachdenken.

Während die beiden Schiffe nun ruhig vor Anker lagen und letzte Vorbereitungen getroffen wurden, warf die Ordensmeisterin noch einen letzten Blick in die zusammengesuchten Unterlagen, die vom Rattenmeister handelten. Mit Llyras hatte sie einen wissenden Verbündeten gefunden, der sie an ihren alten Freund und Bruder Pater Leando erinnerte, mit dem sie einst vor vielen Jahren schon einmal dem Rattenmeister oder eben einer seiner Schergen begegnet war. Dass es gefährlich werden würde, ohne Frage. Dabei spielte nicht nur die politische Situation eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Nun aber wollte sie noch einen letzten Kaffee an Land genießen. Zeit, die sie nutzte, um sich einige Hinweise noch einmal zu Gemüte zu führen, niedergebracht durch die federführende Hand des Dunmer Llyras.

Gibt's 'ne Plage voller Ratten, ruf' den Fürst der dunklen Schatten
Sphären der Schatten; Namira, Nocturnal, Vaermina, (Mephala), (Boethiah)

Rattenmeister, eins zwei drei, sprichst du und er ist dann frei
Kinderliedartige Umschreibung eines Beschwörungsrituals

Führt die Ratten in das Meer, kein Ungeziefer nimmermehr
Beschwörung eines Daedra zur Beseitigung weltlicher Probleme

Sehr hoch dafür ist doch der Preis, bezahl' des Meisters raschen Fleiß.
Darbringung eines Opfers, wie bei Daedra üblich

Kindlein will er für sein Reich, führt sie in des Welten Teich,
'Sein Reich', (Taschen)Ebene im Reich des Vergessens, Seelenopfer

Die Kindlein bei ihm ewig weilen, Schmerz um Schmerz sie dann wohl teilen,
Reich des Vergessens, entrückt aus weltlicher Zeit

Rattenmeister heißt der Herr, die Kindlein sieht man nimmermehr
Rückerlangung der Kinder/ihrer Seelen für Sterbliche (normalerweise) nicht möglich


* * *

Namira oder Vaermina

Theorie Vaermina – Art des Wirkens, Manifestation
Die Albtraumdaedra Modderfenns sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Formwandler und Foltermeister, die den Geist ihres Opfers malträtieren. Sie manifestieren sich als das Abbild der Furcht ihres Gegenübers. Ich stelle die gewagte Theorie auf, dass der Rattenmeister die Furcht vor ihm als Schrein seiner Verehrung benutzt. Furcht, die er auf hinterlistigste Weise durch Geschichten, Märchen und Gedichte nährt und die sich von selbst verbreiten. Er mag, je nach Grad der Angst, in den Geist einzelner eindringen oder sich gar bei kollektiver Furcht in Gestalt auf Nirn manifestieren können. Auf diese Weise wäre es ihm möglich, der Ausbreitung seiner eigenen Gruselgeschichte zu folgen um weitere Seelen zu ernten. Denn Kinder und liebende Eltern fürchten sein Erscheinen schon von der ersten Ratte an, die sie irgendwo sehen und nähren damit seinen Einflussbereich. Es käme zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung, die ihm mit jeder Verbreitung die Macht weiterer Kinderseelen verspricht und der Geschichte damit jedes mal aufs Neue Glaubwürdigkeit verleiht.
Diese Theorie beinhaltet auch folgende Gedanken:
Der Rattenmeister besitzt keine physische Gestalt und nistet sich in Geistern Sterblicher ein (nur wenige/ein Diener).
Womöglich lockt allein diese Anwesenheit/Furcht Ratten an. Womöglich werden sie Teil einer Einheit, wenn er sich manifestiert.

* * *

So folgten noch viele Seiten, doch stand der Aufbruch kurz bevor und ehe sie ihre dicke Akte in festes Leder packte, verinnerlichte sie noch einmal die eindringliche Warnung..


Sollten diese Schlussfolgerungen stimmen, wird der Ort seines Verharrens/Einflusses eine Verschmelzung aus Realität und Albtraum sein. So wahr wie unwahr dieser Ort sein mag - sofern der Rattenmeister selbst die Quelle der Überlappung ist, wird es keine Möglichkeit geben, diese vor seiner Vernichtung zu brechen. Bestenfalls mögen geübte Magier/Mystiker fähig sein, die Auswirkung der überlagernden Dimensionen einzudämmen. Entsprechend werden die zu bestreitenden Kämpfe unter Umständen nicht unbedingt rein physischer Natur sein. Die Magier mögen sich entsprechend wappnen und alle müssen auf psychischen Terror und schreckliche Eindrücke vorbereitet sein! Des weiteren wird Licht jedweder Art benötigt.

Noch etwas. Ist der Rattenmeister ein Daedra, egal ob in leibhaftiger Form oder als kontrollierende, körperlose Entität, würde eine simple Vernichtung oder Bannung der mundanen Form lediglich zu einer Rückkehr seines Animus ins Reich des Vergessens führen, wo er wieder Stärke gewinnt. Dies also ist keine dauerhafte Lösung, denn sein Wirken würde nach einiger Zeit wieder von neuem beginnen. Fangt seine Existenz mit einer Animusgeode ein, oder lasst mich den Kern seines verfluchten Seins meine Teekanne binden.


Besonders die letzten Worte ließen sie schmunzeln..."Ganz sicher nicht..Er gehört mir."

Dort, wo Wahrheit und Mut miteinander verbunden werden, liegen die Geheimnisse der Gerechtigkeit.
Sie darf nicht gezügelt werden, denn sie leuchtet nicht auf in den Kriegsnebeln...

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Celebringil (08.09.2019)

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Mittwoch, 18. September 2019, 07:43



Erste Begegnungen mit den Telvanni


Die kalten Winde des Geistermeeres hielten das majestätische Einsamkeit bereits zur Mitte des Monats Herdfeuer in ihrem frostigen Griff, doch dank der großen Bucht war der Hafen den unbarmherzigen Böen des Nordens nicht völlig schutzlos ausgeliefert. Das Königreich Westhimmelsrand wartete in seiner Hauptstadt mit stabilen Befestigungen und einem nicht unerheblichen Aufgebot an Gardisten auf, denn als neutraler Hafen wollte sich Einsamkeit aus den Fehden der ungeliebten östlichen Brüder und den anderen Allianzen heraushalten und die Sicherung der eigenen Autonomie hatte dabei höchste Priorität.

Die Bemühungen der Stadt zahlten sich aus. Offenbar florierte der Handel und auch wenn sich die Gesichter aller Rassen auf die ein oder andere Art in dem gewaltigen Hafengelände zeigten, so verhielt sich doch alles weitgehend friedlich.

Was den Mitgliedern des Ordens jedoch die Laune sicher etwas verhagelte, war der Anblick der Schiffe, deren Segel von den verschnörkelten Symbolen der Telvanni geziert wurden. Drei an der Zahl waren es und eines davon, ein ungemütlich anzusehender Holzklotz von einem Dreimaster, sollte den Recken bald als Transporter dienen, denn zweifelsohne war dieses Schiff für lebendige Fracht ausgelegt worden. Die beiden kleineren Schiffe, Einmaster, wirkten auf andere Weise ebenso unsympathisch wie das Ungetüm. Schnittige und wendige kleine Biester, böse anzusehen. Behandelte Chitinplatten, die mit Sicherheit einst zu großen Insekten gehört haben, verliehen den Geleitschiffen nicht nur eine leichte, aber effiziente Panzerung, sondern auch das Aussehen wütender Käfer, die über das Wasser liefen.

Sklaven befanden sich neben den Matrosen auf den Schiffen und gaben dem Vorurteil, die Telvanni würden aber auch rein gar nichts selbst machen, fruchtbaren Nährboden. Und auch wenn sich die Zahl der Telvannistreiter überschaubar blieb, ließen sie keinerlei Zweifel an ihrer Effizienz und Disziplin. Viele schienen Söldner zu sein, denn unter ihnen waren drei gewaltige Nordkrieger, einige kleine Bosmerschützen und ein paar leichte kaiserliche und rothwardonische Kämpfer. Dunmerische Kampfmagier rundeten das Bild ab und gaben den kleinen agilen Schiffen mit Sicherheit eine gewaltige Feuerkraft. Einige von ihnen trugen käferartige Helme und sie alle waren in Rüstungen aus Chitin, Netchleder, Dreughpanzer und Knochen gehüllt, was ihnen nicht nur misstrauische Blicke, sondern auch eine gewisse Ehrfurcht hiesiger Wachen einbrachte.

Lange würde es nicht dauern, bis Llyras Verenim alles Nötige mit dem Verantwortlichen der Telvannischiffe geklärt hatte, der als Sardras Verenim vorgestellt wurde und dessen aggressives Äußeres alleine schon vermuten ließ, dass mit ihm nicht sonderlich gut Käfer essen war. Der Kampfmagier trug eine Rüstung ausgebleichter Knochen und eine Kapuze, die von Schlangen geziert war. Seine rechte Gesichtshälfte war schwarz tätowiert, klingenartig und mit daedrischen Runen versehen. Doch noch markanter mochten die komplett schwarzen Iriden des Dunmerzauberers aus dem relativ jungen Gesicht hervorstechen, in denen sich weder Regungen, noch Licht widerspiegelten. Es war wohl ein Segen für alle, als Sardras Verenim eines der Geleitschiffe bestieg und dort blieb, während dem Orden der Zugang zu dem (hoffentlich) zweckentfremdeten Sklavenfrachter gewährt wurde. Sehr eilig hatten die Telvanni es nicht. Sollten die pferdelosen Recken aus Hochfels die stolze Hauptstadt Westhimmelsrands besuchen wollen, würde es ihnen von ihren neuen Gastgebern zur See gestattet werden.

* * *


Unter der Optik des Chitinartigen Schiffes, wie auch seiner Besatzung fiel ein Dunmer besonders ins Auge. Ein fast vampirisch bleicher Mann, welcher optisch etwa dreißig Lenze zählt, stets in der Nähe des auffälligen Sardras Verenim. Ein Kontrast, welcher stärker nicht sein konnte. Es könnte wie Desinteresse gewirkt haben, als die Gäste des Schiffes jenes bestiegen, denn sein Blick war fast flüchtig als wolle er die Gruppe nicht wirklich betrachten, während ein leichtes Schielen keinen Fixpunkt vor sich kannte.
Eine zierliche Gestalt, in eine nachtschwarze Tunika gehüllt, welche mit Fragmenten aus Dwemermetall ausgestattet war. Jedes Stück auf eigene Art unter dem vagen Schimmern sehr leichter Verzauberungen, welche sich schwer Dechiffrieren ließen. Der konzentrierte Ausdruck auf dem markanten Gesicht des Dunmer, dessen Alterlosigkeit nicht über seine wahre Lebenszeit Aussage treffen kann wurde zerstört von einem Mal auf seiner rechten Wange. Es handelte sich um ein Brandmal in Form des Wappens des Hauses Telvanni, welches man so manch einem Sklaven aufbrannte. Zwischen seinen Fingern ruhte ein Stock, welcher ebenfalls aus Dwemerischen Elementen gefertigt war. Eine akkurate Handwerkskunst stilisiert den Gegenstand, zwischen seinen fein behandschuhten blassen Händen. Darauf ein leuchtend roter Kristall, welcher in einer Fassung befestigt ist. Ähnlich aufgebaut wie die Kristalle welche man aus Dwemerruinen kennt. Für ein besonders geübtes Auge, erfasst man Elemente eines Kontrollstabes aus einer der vielen Dwemeruinen, für ihre Animunculi.

Der Telvanni in Schwarz schien wie ein stiller Brunnen zu sein, eine unergründliche Tiefe lag in seiner kontinuierlichen Ruhe. Er schien unentwegt zu lauschen, was die Recken taten, still und ohne Aufsehen. Jede Form von kakophonischer Disharmonie welche sie auf das Schiff brachten wurde stillschweigend registriert. Und dennoch wirkte er nicht schüchtern, vielmehr analysierend. Als habe er einen regen Geist, welcher schlagartig jeden Eindruck versuchte zu katalogisieren. Hörte man ihm zu, so hörte man die Worte SEHT unter einer angenehm, ruhigen Stimme. Und so manch ein Sklave, so sprach von dem sonderlichen Mer hinter vorgehaltener Hand. Gerüchte die sich hie und da verbreiteten, dass er vielleicht ein Diener des Gottes der Mysterien sei. Ein gestrenger Anhänger von Sotha Sil, dem Gott der Uhrwerke, der Magie und Mitglied des berüchtigten Tribunals. Andere Gerüchte sprechen von einem Sklaven der sich einen Rang innerhalb der Telvanniriege erkämpfte und seine Freiheit erlangte. Ein Mer, welcher im Lagerraum einige Gegenstände hütete wie ein Drache seinen Schatz.

* * *


Somit ging die Reise unter den wachsamen Augen der Telvanni weiter. Die Ordensmeisterin ließ keinen verzögernden Aufenthalt in Einsamkeit zu.

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jassillia« (18. September 2019, 07:48)


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Celebringil (18.09.2019)

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Samstag, 28. September 2019, 10:20




Die Ereignisse überschlagen sich


Nach all dem Chaos mit dem Kraken, das mit dem Sinken des Telvannifrachters und einem Umstieg des Ordens auf ein glücklicherweise auftauchendes Langschiff der Nord geendet hatte, gab es auf den beiden käferartigen Geleitschiffen des dunmerischen Magierhauses so einiges zu klären. Eine Weile segelten sie parallel und sehr nahe nebeneinander. Und auch wenn die Zauberer sicherlich andere Kommunikationsmöglichkeiten hatten, so wollten sie dem Orden gewiss die Tragweite des Geschehenen und ihre folgenden Reaktionen demonstrieren. So geschah es kurz darauf, dass eines der Käferschiffe hinter das Langschiff fiel, während das vordere zweifelsohne den Kurs für alle drei vorzugeben gedachte.

Auch wenn die Konstellation bereits zu sehen war, als sich der Orden an Bord des Frachters befand, so mochte diese Formation angesichts der jüngsten Umstände etwas Bedrohliches annehmen und eine klare Botschaft vermitteln. Das Leitschiff nahm schließlich direkten Kurs auf Gnisis/Vvardenfell. Ob das Langschiff der Nord dem Kurs der Telvanni folgen wird?

* * *

Das Langschiff würde folgen, hat der Häuptling und Schiffsführer Wulfgar Bernsson immerhin zugesichert, zu helfen. Zudem ist es dem Schiff mit dem flachen Tiefgang ohnehin möglich, fast überall an Land zu gehen.

Auf dem Schiff selber macht sich nach der anfänglichen Enttäuschung, den Kraken nicht ganz erwischt zu haben, eine ausgelassene Stimmung breit. Egal, ob die Nord nun segeln oder rudern müssen, die kernigen Kerle haben stets ein (meist versautes) Lied auf den Lippen. Und obwohl Befehle immer mit Murren, Brummen und Beleidigungen ausgeteilt und angenommen werden, scheint auf dem Langschiff eine erstaunliche Disziplin zu herrschen. Jeder Handgriff, ob alleine oder zusammen, sitzt und wird ohne zu zögern ausgeführt. Der einzige, der nichts tut, ist der älteste Krieger an Bord, manchen Ordensreitern noch als "Merowech" bekannt. Dieser steht mit seinem Gehstock zumeist am Vordersteven und schimpft über die Jugend von heute, womit er jedoch so ziemlich jeden meint.

Das Wetter bessert sich indes allmählich, verlässt man immerhin auch die eisigen Gefilde Himmelsrands und nähert sich der deutlich wärmeren Insel Vvardenfell an. Die Wolken weichen fast vollständig und machen einer spätsommerlichen und wohltuend wärmenden Sonne Platz.

* * *

Auf dem vorderen Schiff der Telvanni, auf welches der Dwemergelehrte Llevin Darvyen an der Seite des längsten Telvannibegleiters der Recken des Ordens die Zuflucht fand, konnte man in regelmäßigen und häufigen Abständen das Aufglimmen von gut erkennbaren Magierlichtern sehen. Einerseits eine gute Orientierungshilfe, selbst im tiefsten Nebel würde man das blaue Schimmern geisterhaft durch die Nebelwände hinweg erkennen. Andererseits eine Sicherheitsmaßnahme, denn diese Form von Magie gilt der magischen und allgemeinen Detektion des Ungesehenen. Ein zweites Mal wird kein Unwesen aus der Tiefe oder aus der Verborgenheit plötzlich angreifen können. Wenn man auf dem Schiff genauer hinsieht, ist der Gelehrte für diese Magie verantwortlich. Abwechselnd zu einem Argonischen Magier, welcher ebenfalls auf dem versunkenen Schiff gewesen war. Aber stets darauf beharrte kein Sklave zu sein, sondern ein bezahlter Angestellter des Telvanni.

* * *

Mittlerweile ist etwas Ruhe eingekehrt. Die Fahrt auf einem der Schiffe der Telvanni geht weiter Richtung nächstem Zielort. Die Versorgung durch die Dunmer kann man als gastfreundlich bezeichnen. So erhielt man Speis und Trank, wie einen wärmenden Ort, der auch das letzte Kleidungsstück trocknen sollte, nach Regen und stürmischen Böen. Für diesen Abend wurde das Alkoholverbot aufgehoben, welches ab dem heutigen Tag wieder gelten wird, so die Aussage der Ordensmeisterin.
Laut den Dunmer wird es wahrscheinlich eine Verbindungsmöglichkeit geben, um benötigtes Material zu besorgen, was auf Vvardenfell nicht käuflich erworben werden kann. Hier spielt wohl die Einstimmung auf bestehende Schutzzauber eine große Rolle, die man vom Ordensgemäuer her, wenn auch in abgeschwächter Form, gewohnt ist.

* * *

Es dauerte nicht lange, bis die Schiffe von Gnisis aus die Küsten der sogenannten Westspalte hinter sich ließen und die unpassierbaren Ufer von Vvardenfells raubeiniger, felsiger Hochlandregion neuen Anblicken wichen, denn die beiden Einmaster wählten eine Route, die mit dem Frachter unpassierbar gewesen wäre. Die Seestraße, die zwischen der Küstenregion der Aschlande und der wirren Inselgruppe Sheogorad hindurchführte, war das Grauen aller Kapitäne und Steuermänner, die nicht auf magische Hilfsmittel zurückgreifen konnten, oder ungenügend Erfahrung in diesen Gewässern vorweisen konnten. Doch die beiden chitingepanzerten, schwimmenden Irrenhäuser der Telvanni hatten beides in ihrem Repertoire und so steuerten die käferartigen Schiffe zielsicher durch die zerklüftete Region, in der alle Nase lang dunkle, menhirartige Felsen durch die Wasserfläche brachen und teilweise auch darunter verborgen blieben. Es war keine Lüge von Sardras Verenim, als er sagte, ihre Schiffe wären für diesen Teil der Welt geschaffen und so manövrierten sie geschickt und wendig durch den Albtraum aller normalen Seeleute.


Während der laue Wind das Kreischen der Klippenschreiter - großer, reptilienartiger Flugkreaturen - über die Schiffe trug, die das zerklüftete Sheogorad im Norden ihre Heimat nannten, entblößte der Anblick der Steuerbordseite gen Süden die enorme und zerstörerische Macht des feurigen Landes und der tödlichen Natur der Aschlande Vvardenfells. Nach den Vorstellungen der Menschen mochten sie dem Inbegriff einer Hölle auf Erden entsprechen, war diese Region doch nichts als das prächtig-schreckliche Bild unerbittlicher Naturgewalt. Des Vulkangesteins wegen war das Land schwarz und was nicht schwarz war, war grau von stets regnender Asche. Und auch wenn die Schiffe noch immer das nördliche Geistermeer durchquerten, war die Temperatur enorm angestiegen, denn das einzige Farbspiel, das sich zwischen all dem Grau und all dem Schwarz abzeichnete, war das kontrastreiche Rot gleißender und feuriger Lavaflüsse, die sich unerbittlich durch das kahle Land pflügten und mit einem zischenden Brodeln in der engen Meeresstraße mündeten. Ein Ehrfurcht gebietender Anblick bei Tag, ein Höllengemälde bei Nacht und die Schuld daran trug er, der dort in der Ferne thronte wie ein flammender, zorniger Gott.

Denn gleich einem Gott und nichts geringerem erhob er sich in unermessliche Höhen und unbestimmbare Ausmaße, der Rote Berg, gespeist durch altvordere Mächte im Inneren der Welt, welche dem sterblichen Geist unbegreiflich waren, welche ein Land aus der See hoben, das ihn in seiner zerstörerischen Erhabenheit umgab wie in Ehrfurcht niederkniende Massen von bedingungslos Gläubigen. Der Rote Berg, Fluch und Segen, donnernd, grollend, Rauch atmend und Lava blutend, nahm das Blickfeld ein und verwies die winzigen Schiffe der überheblichen Zaubermeister zurück in die Unbedeutsamkeit, in die sie gehörten. Erst als sie Sheogorad und die Aschlande
hinter sich ließen, offenbarte der Rote Berg seinen Segen vulkanischer Fruchtbarkeit. Die Schiffe erreichten die Ufer der saftig grünen, stark vegetativen und freundlichen Graslande von Vvardenfells Nordosten und diese protzten mit kräftigen grünen Wiesen, bunten und doch fremdartigen Blumen und Pilzen aller Form und in jeder Größenordnung, bis hin zu den aufragenden Türmen, die sich am fernen Horizont als die Pilzheime der Telvanni zu erkennen gaben.

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Corentin (28.09.2019), Celebringil (30.09.2019)

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Samstag, 28. September 2019, 10:25

Die Azuraküste


Das Wetter blieb so freundlich wie der Anblick der üppig grünen Graslande auf der Steuerbordseite der beiden Zaubererschiffe. Der Wind hingegen war in etwa so unfreundlich wie der Anblick der kleinen Daedradiener, die von Zeit zu Zeit und ohne großen Aufwand aus dem Reich des Vergessens auf die Decks der Schiffe herabgerufen und ohne dem Gedanken an Furcht von den Telvanni für allerlei Profanes missbraucht wurden. Die Schiffe erreichten bald den nähesten der zuvor am Horizont erblickten Pilztürme. Tel Mora war, wie Llyras Verenim zu berichten wusste, der Sitz von Magistra Dratha, welche nicht nur die nahe Stadt Vos kontrollierte, sondern in den letzten Jahren seltsamer wurde. Noch nichts im Vergleich zu anderen, aber - und stell sich das mal einer vor – galt die gerüchteweise Paranoia nur gegenüber Männern! Angeblich ließ die Magistra mittlerweile gezielt nach fremden Männern in Vos und Umgebung patrouillieren. Dies war nun einmal der schleichende Irrsinn der Alten und Mächtigen des Fürstenhauses Telvanni. Tel Mora selbst besaß zwar keinen Burgfried, aber der Turm, der mit Pilzen groß wie Häusern bewachsen war, ließ die meisten Türme aus der Architektur anderer Völker schmächtig wirken.

Doch nun, da die Reisenden den Kurs steuerbord setzten und in die Innere See Morrowinds einbogen, erreichten sie die Azuraküste, das Reich der östlichen Magierfürsten. Ab hier sollten die Schiffe dank des Windes und den magischen Hilfsmitteln an Fahrt aufnehmen. Die Küstenregion der nach der Königin der Dämmerung benannten Insel zeigte sich wild, zersplittert. Scharfkantiges schwarzes Vulkangestein und stellenweise grüne Ufer wichen alsbald einer Vielzahl kleinerer und größerer Inseln, allesamt gesäumt von mittelgroßen bis auftürmenden Riesenpilzen aller Variation, die die saftigen Bäume ringsherum oftmals und im wahrsten Sinne des Wortes in ihren Schatten stellten. Die Schiffe umsegelten sie alle, denn das Gewässer zwischen den Inseln war bisweilen viel zu seicht, selbst für die wendigen Gefährte der Dunmer. Die Frage allerdings war, ob die Ordensstreiter irgendetwas davon mitbekamen, denn all dies war trotz des stets sichtbaren Roten Berges am nun westlichen Horizont nicht interessant.

Der Hingucker, der Dieb aller Aufmerksamkeit, zeichnete sich im Süden, in Richtung Schiffsbug ab. Es war der Ratssitz des Fürstenhauses Telvanni im Vvardenfell Distrikt. Sadrith Mora, der Pilzwald, der für die staunenden Augen westlicher Menschen eher einer Fata Morgana, ausgelöst durch giftige und schwer halluzinogenen Substanzen glich. Es gab kleine pilzbewachsene Häuser, große pilzbewachsene Gast- und Versammlungshäuser, mächtige Pilztürme, von denen keiner dem Turm von Tel Mora nachstand und es gab Tel Naga, den Sitz des Erzmagisters Nelos Otheri, der nicht nur alle Türme drumherum, sondern selbst die mächtige Ordensfestung in Hochfels wie Kinderspielzeug wirken ließ. Tel Naga war der Inbegriff der Maßlosigkeit der Magierfürsten des östlichen Morrowind. Wie alle Pilztürme sah dieses Monstrum nicht nur aus wie himmelhoch aufgestapelte Gehirnmasse, nein, dieses unermessliche, womöglich sogar pulsierende Ding, benötigte sogar mehrere Hauptpilzsträge, die in mehreren Pilzkappen mündeten und wovon die größte mindestens einhundert verdammte Meter im Durchmesser maß. Von der Höhe des Turms ganz zu schweigen …


Wer es schließlich hinbekam, sich von diesem Anblick der Zafirbel-Bucht loszureißen, der nur dem Missbrauch von Psychodelika entsprungen sein konnte, fand sich in der angenehmen Realität der Azuraküste wieder. Hier und dort ließen sich kleinere Telvannitürme erspähen, deren Anblick nun mehr keinen Schock auslösen und keine bleibenden Schäden mehr anrichten konnte. Die letzte, doch von der Inneren See aus schwer erkennbare Sehenswürdigkeit, war das Holamayan Kloster. Ein voll und ganz Azura gewidmeter Pilgerort der Dunkelelfen, der nur seine Spitze sehen ließ. Dann jedoch tauchte im Süden auf, was Llyras Verenim als seine Heimat Tel Veren identifizierte. Der Sitz der Meisterin Anara Verenim, mächtig für sich selbst.

Die Ankunft eines Ordens, dessen Struktur zu zerreißen beginnt

Der Sitz der Meisterin Arana Verenim offenbarte sich als Insel in der Inneren See, nahe an der rauen, zersplitterten Azuraküste im Südosten Vvardenfells, deren Bild nach Außen hin geteilt wurde. Der Pilzturm selbst schien in etwa die Ausmaße von Tel Mora zu besitzen und war damit ein beeindruckendes Exemplar. Der letzte Abschnitt der Seefahrt verlief ruhig und ereignislos und Tel Veren rückte immer näher. Die Anlegestelle an der Westseite der Insel zeigte mit einem weiteren Blick nach Westen eine beeindruckend große Statue von Azura an der nach ihr benannten Küste. Mond und Stern hielt sie in ihrer Rechten und ihrer Linken und sah direkt und in stiller Erhabenheit auf die Ordensstreiter, die die Schiffe verließen und die Insel des Turms von Tel Veren betraten. Der Steg führte zu zwei Türen. Die eine führte direkt in die mächtigen Felshöhlen der Insel, das Tor jedoch führte hin zu dem ummauerten Turm und dieses Tor ward es, das genommen wurde und in den Hof führte. Die davor postierten, schwer gepanzerten Telvanniwachen rührten sich währenddessen nicht im geringsten. Im Turm selbst zeigte sich auch nur wenig reges Treiben. Tatsächlich schien es, als wäre auf den Schiffen der Großteil der der Mannen Tel Verens unterwegs gewesen.

Überall in der fragwürdigen Konsistenz des Turms schien es zu glitzern, als wären unzählige, winzige Seelensteinfragmente in das Pilzgeflecht gewoben, aus dem natürlich auch unzählige andere Pilze und sogar Bäume wuchsen. Tel Veren, Heimat des ausgeglichenen Llyras und des gefährlichen Sardras, war ein wahrer Augenöffner. Überschattet wurde der Anblick jedoch von dem Gefühl, das jeden beschlich. Selbst jene, die sich nicht zu den Zauberwirkern zählten, mussten die Aura der Magie spüren, die in der Nähe des Turms vibrierte. Doch auch wenn das arkane Gitter ruhig und gelassen schien, fast liebevoll und umarmend, war da noch etwas anderes. Unterschwellig mochte es bedrohlich und verschlingend wirken, fast verführerisch, doch trügerisch und behaftet von einer Energie, die ebenso eitel, wie auch gütig und rasend im Zorn sein konnte. Genau das mochte schon jetzt einem jeden eine Warnung sein, auf die Unmengen der Magicka hier zuzugreifen.


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Montag, 30. September 2019, 07:53

Tel Veren, ehemalige Sklavenquartiere


Bereits in den frühen Morgenstunden, Beginn der Arbeit für die einen und Ende der Experimente für die anderen, zogen lärmende Stimmen in und durch die temporäre Unterkunft des Ordens. "... dieser ungewaschenen N'wah", lamentierte die eine, äußerst kratzige und raue Stimme. "Ihr sseid ein Ssklave der Herrin, Ssera Shirshamamhu, nicht der N'wah und Ihr tut wie Euch geheißssen" verbesserte eine zweite, zischende Stimme, friedlich und doch bestimmt.

Die beiden bahnten sich ihren Weg durch potentielle und schlafenden Ordensstreiter, die allesamt ignoriert wurden. Jene, die aber wegen des erstens hörbaren Wortwechsel schon wach wurden, durfte etwas Sonderbares auffallen, das gewiss bald die Runde machen würde. Der goldschuppige Argonier war frei, der völlig zutätowierte Dunmer mit Glatze trug Eisen. "Sie hätte diesen milchsaugenden S'wit auch die Behelfsunterkünfte geben können." - "Bitte, schweigt jetzss." Und die Worte der Echse erzielten ihre Wirkung und brachten den Dunkelelfen zur grummeligen Ruhe, für eine Weile zumindest. "Azuras Gnade", seufzte der graue Berg von einem Mann, als er endlich die Wäscheberge absetzen konnte. So laut, als würde er den Rest der Schlafenden absichtlich wecken wollen. Der Argonier wiederum legte lediglich einen Notizzettel auf den Tisch und stellte drei kleine Phiolen darauf, als der Dunmer schon wieder sprach.

"Sagt mal, Muthsera Schilt Steine, habt Ihr eigentlich von den Irren Eures Volkes gehört? Von diesem Naga-Stamm ... diesen Naga-Wutulm?" Der Goldschuppige warf dem Aschländer einen Blick zu, der zwar undeutbar war, aber aufgrund seiner genervt langsamen Art eingestuft werden konnte, als würde der Argonier mit Diffamierungen rechnen und diese nicht Willkommen heißen. "Na diese kulturlosen Wilden greifen wahllos alles an, was keine Schuppen hat. Jemand sollte sie ..." - eine Geste von Schilt Steine schnitt dem Dunmer das Wort ab. "Ein Mensch, der ssie vor einigen Monaten bessuchte, raubte angeblich während eines Unwetterss ihre Schlüpflinge. Ich hörte davon, danke." - "Das sagen diese aggressiven Barbaren doch nur, damit sie mit ihrem Blutvergießen durchkommen und ihnen keine Strafexpeditionen oder Sklavenjäger den Garaus machen, wie es sich eben gehört!" - "Aschländer wie Ihr differenzzieren zzum Glück zwischen den N'wah, wenn ihre Kinder von ssolchen verschleppt oder getötet werden, xsss."

Shirshamamhu sah einen Lidschlag lang drein, als würde er einen Moment der Selbstreflexion erfahren, winkte dann jedoch das Gespräch mit garstiger Geste ab. "Das ist etwas völlig anderes. Ich wollte Euch nur informieren." - "Aufrichtigssten Dank. Nun kehrt zurück an die Arbeit. Die Herrin Anara erwartet Euch wegen ihrer Wäsche." Damit verschwand das zweifelhafte Gespann aus freien Argonier und dunmerischen Sklaven wieder aus den provisorischen Ordensquartieren, in welchen sie gewiss einen jeden Recken schamlos geweckt hatten. Mögliche Ansprachen durch den Orden ignorierten sie, oder antworteten in dreister Kürze. Tel Veren arbeitete schließlich nicht für sich selbst.

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Donnerstag, 24. Oktober 2019, 07:16

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Zurück in Kreuzgrat




Verschwitzt und dreckig nach ihrem Training erhält die Ordensmeisterin einen geöffneten Brief. Wie immer wurde jener im Vorfeld magisch untersucht. Mit jeder Zeile, die sie liest, schmälern sich die feuchten Lider, behaftet von Schweiß und letzten Tropfen des herbstlichen Nieselregens. Ein leichtes Kopfschütteln hinterlässt Spuren auf Boden und Tisch.

Werte Ordensmeisterin

wir hatten unsere Differenzen. Wir hatten unsere Sternstunden. Es geschah alles mangels Absprache auf beiden Seiten. Der Prinz aus der Wüste sendet an den Orden einen Brief mit großer Dringlichkeitsstufe.
Es geht um die Sache mit Harkiim. Es geht um mehr. Meine rechte Hand entsandte ein Schreiben. Lassen wir die alte Truppe einen Weg finden. Wir beide sind starke Persönlichkeiten, wir beide ecken an. Gehen wir den Weg wieder gemeinsam. Stehe ich in eurer Schuld steht ihr ihn meiner. Vergessen wir das Kräftemessen. Denken wir an den Abend zurück. Den wo wir Gäste waren in eurem Haus. Wir sind beide Persönlichkeiten.

Die Acht mit euch
Silann Ashere


So landet jenes Schreiben auf einem Stapel an weiteren Nachrichten, ehe sie zu einem schlichten Papier greift, auf kostbares Pergament wird verzichtet.
Mit Kohle schreibt sie wenige Worte nieder, die kurze Zeit später das Anwesen verlassen und den Weg zum besagten Prinzen finden sollen. Später wird man leicht wellige Stellen finden, die von feuchten Stellen erzählen, aufgrund der Reise wieder getrocknet.

Das Licht von Ehre und Respekt erhelle Euch, werter Prinz,

so Ihr mit nützlichen Informationen aufwarten könnt, spreche ich die Einladung aus, den Orden in Kreuzgrat aufzusuchen.

Mit werten Grüßen,

Jassillia Muraille

Dort, wo Wahrheit und Mut miteinander verbunden werden, liegen die Geheimnisse der Gerechtigkeit.
Sie darf nicht gezügelt werden, denn sie leuchtet nicht auf in den Kriegsnebeln...

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Sonntag, 3. November 2019, 12:28



Feuer gefangen?


Eine gehörige Portion Ernst ruhte in den braunen Augen der Ordensmeisterin, während sie ihrem täglichen Kampf mit Waffen und Konzentration und dem Einsatz von Magie nachging.
Nach der Jagd mit ihrem Sohn war es still um sie geworden, selbst den eigenen Mannen zeigte sie sich nur selten. Man konnte die Vermutung haben, dass sie müde um manches Miteinander geworden war, müde um Erklärungen und Mahnungen wie Zurechtweisungen. Sie hielt auch niemanden auf, der den Orden verlassen wollte und es waren mittlerweile einige, die andere Pfade gingen. Die Kampfkraft hatte sich in den letzten Wochen geschmälert. Ein Manko? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Müde um das eigene Voranbringen aber war sie offensichtlich nicht. Von der Nord wurde sie hart gebeutelt, ein Schonen der kleinen Frau offensichtlich untersagt. Waffen prallten hart aufeinander, Körper wurden im Ausweichen weit gebogen, unbewaffnete Faustkämpfe hinterließen bunte Male und kleine Platzwunden.
So sah man Tage, an denen sie schweißgebadet ihre Muskeln stärkte, während andere ihrer Ausdauer gehörten. Sie verzichtete auf Gebäck, auf Kaffee und all das, was dem Körper in dieser Zeit weniger gut tun würde. Sicher ruhten manche Augen in diesen Stunden auf ihr, zum Teil fragend, zum Teil wissend, während manche es, wie so oft, nicht interessieren würde.

An einem dieser Tage trat einer der Ritter auf sie zu, wollte er ihr ein kleines Briefchen überreichen, sie selbst aber war nicht gewillt ihre Übungen zu unterbrechen, ließ der brennende Schweiß ohnehin ihre Augen tränen.
"Lest es vor!", so die Order an den Mann, der neben ihr stand.

Da erhob der ältere Ritter das Wort..

"Wenn dunkle Schatten hinter dem Schleier der Politik nach dem Sichelmond greifen, sind ein scharfer Verstand und das Wissen über die Finsternis die besten Waffen." So blickte er sie an. Etwas, was sofort durch braune, feuchte Augen erwidert wurde.
"Es wurden Zettel in Kreuzgrat verteilt, durch einen unscheinbaren Wanderprediger. Wie wir hörten, standen auf den anderen Zetteln nur Gebete an die Acht."

Nun erhob sie sich, ließ sich von Dendu ein Tuch reichen, um die Augen der Qual harten Trainings zu säubern. Erst dann nahm sie den Zettel zur Hand. "Sichelmond, Politik?", der Blick verfinsterte sich. "Dieses Spiel...ist mir zu allzu gut bekannt.", und es klang verbittert und eine Spur kälter als sonst. Trotzdem ging sie wenig später ihren Übungen nach, was nun Dendus Stirn und jene des Ritters runzeln ließen.
Vorerst schwiegen die beiden, warfen sich einen kurzen Blick zu. Ging Sie wirklich nicht darauf ein? Hatte sie auch davon einfach genug?
Wäre sie sonst sofort aufgesprungen, blieb dieses heute aus.

Erst nach Beendigung des heuten Ertüchtigen blickte sie auf den Zettel, der in ihrer Faust arg zerknittert worden war. "Sattelt mein Pferd."

Der Weg im Geleit zweier Ritter sollte sie eine Stunde später nach Kreuzgrat führen. Man kannte sie dort, ohne Frage, gab es schon seit vielen Jahren ein gutes Miteinander zu den beiden Häusern und dem Orden selbst und so ließ sie hörbar verlauten, dass sie um gereichte Zettel und Briefchen bat. Den Meisten war schnell klar, dass mehr dahinter stecken musste, wenn danach gefragt wurde.

Ob sie damit Erfolg haben sollte? Sie würde es wohl erfahren.

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Celebringil (03.11.2019), Silann (04.11.2019)

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Dienstag, 5. November 2019, 07:36



Ein Gespräch am frühen Morgen


In den früheren Stunden des jungen Tages klopfte es dreimalig in rascher Folge an der Tür des Ordensleitungsbüros. Es schien eher eine Anmeldung als ein Eintrittsgesuch, denn ob mit oder ohne weiterer Aufforderung trat Scelian ein. Der Rittmeister in bequemer Kleidung senkte sein Haupt zum Gruße, richtete den leeren Blick auf mögliche Anwesende und nahm Haltung an. "Guten Morgen. Melde mich wie geordert zur Besprechung." Ein kurzer Blick führt über die Schulter, um mögliche weitere Besucher einzulassen, ehe die Türe wieder geschlossen werden soll.

Jassillia, die ebenfalls schon früh auf den Beinen war, hob den Blick. "Guten Morgen, Rittmeister. Ehrlich? Ich liebe Euer Auftreten", sie schmunzelte leicht und doch meinte sie es aufrecht und ehrlich. Da griff sie zur Kaffeekanne, um Scelian einzuschenken. "Nehmt Platz, hm?"

Unter dem Griff des Kaiserlichen schloss sich die Türe hinter dessen Rücken, wobei ein kurzer Blick zu Jassilia gesandt wurde. Verwirrung? Schließlich trat Scelian zum Schreibtisch der Ordensmeisterin, pflanzte seinen Hintern auf einen Stuhl und nimmt den Kaffee unter Augenkontakt entgegen. "Habt Dank. Möchtet Ihr mir verraten, was mein Auftreten so sonderbar macht?"

"Ich bin es nicht mehr gewohnt, dass man so auftritt. Diszipliniert, auch wenn hin und wieder aufgesetzt, ich würde Euch nämlich auch etwas ganz anderes abkaufen."

Ein wenig kippte das Haupt des jüngeren Rittmeisters in die Schräge. Dann, nach einigen weiteren Momenten der Ausdruckslosigkeit, zeigte sich doch tatsächlich ein seichtes Schmunzeln. "Was würdet Ihr mir denn abkaufen? Ein morgendlicher Büroräuber? Ärmlicher Bittsteller? König von Kreuzgrat?"

"Ungewaschen, unrasiert, ein unflätiges Moin", sie schmunzelte, trank vom Kaffee. "Eben eine ganz andere Seite." Dann lehnte sie sich im Stuhl zurück.

"Mit Verlaub, ich bin doch kein Dolchsturzer Hafenarbeiter, Ordensmeisterin." Das Schmunzeln wuchs ein wenig in die Breite und es schien ehrlich, wobei sich das bei Scelian nie genau sagen ließ. "Zumindest entkam ich dieser Tätigkeit dank Euch schneller als erwartet. Doch genug von ungehobelten Rüpeln. Was hat es mit dieser sogenannten Warnung auf sich?" Verbannt wurde das Lächeln von dem ansehnlichen, doch noch immer ungebändigten Antlitz, aber das seichte Schmunzeln blieb in den Augen bestehen.

"Nun, sicher bin ich mir nicht, aber da ansonsten keine andere Nachrichten dieser Art verteilt wurden, scheint der Orden ganz gezielt informiert worden zu sein. Dass es es ein Wanderprediger war, könnte zum Handeln der Mäzenin von Namir al-Rashid passen, arbeitet sie öfter mit dubiosen Klerikern. Fraglich, ob sie überhaupt welche sind. Was dann aber zum Fall von Silann passen könnte, Ihr erinnert Euch sicher? Dieser arrogante Prinz. Erst vor kurzem hat er mich wieder angeschrieben, der Inhalt so leer, wie gleich unsere Kaffeekanne."

Die Belustigung aus Scelians Gesicht verschwand, das Gesicht wurde schneller wieder zur wertungslosen Maske, als man blinzeln konnte. "Meine Erinnerungen an diese fragwürdigen Treffen sind ungetrübt. Ich maße mir derzeit nicht an, ungefragt über die Personen zu urteilen. Gestattet Ihr mir, Brief und Warnung zu lesen und Eure Wertung zu hören?" Da tat er sich auch schon am Kaffee gütlich.

"Natürlich", so übergab sie ihm Silanns Briefe, zuzüglich eine Abschrift ihrer eigenen Antwort darauf.

Scelian ergriff, was ihm die Ordensmeisterin gab und ließ die eisigen Iriden über das Schriftwerk fliegen. Schnell war gelesen was da stand und alles wurde an Jassilia zurückgegeben. Wertung in Mimik und Gestik gab es nicht. "Mit Verlaub, Ihr habt nicht nach meiner Meinung gefragt, aber ist der Prinz zu lange der Wüstensonne ausgesetzt gewesen? Ich erkenne in dem Brief nicht den Grund für die erwähnte Dringlichkeitsstufe, außer er empfindet es als dringlich, wirres Zeug per Brief zu verkünden. Hervorragender Gruß von Eurer Seite übrigens, Ordensmeisterin." Scelian schmunzelt kurz. "Nun. Was hat es mit der Warnung auf sich und gibt es darüber hinaus etwas Neues?"

"Dieser Brief ist eine bodenlose und respektlose Frechheit. Alleine die Spitzen, die wie Dolche aus seiner Federführung fahren...darum meine Antwort in dieser Art. Abgesehen davon hat mir Bruder Corentin heute Morgen schon seine eigene Stellungnahme zukommen lassen." Auch dieses überreicht sie nun dem attraktiven Rittmeister.
So konnte Scelian folgende Worte lesen.
< Ich habe mir Gedanken über die vermeintliche Warnung gemacht, welche auf euch zukam. Der Sichelmond, steht nach meinen Studien für Khajiitische und Rothwardonische Symboliken. Es könnte ein Hinweis auf den besagten Prinzen aus Alik'r sein, welcher eindeutig eine hohe politische Rolle spielt. Ob es eine Drohung oder ein Hinweis sein soll, das kann ich euch nicht sagen. Doch der Sichelmond lässt sich eindeutig den beiden Kulturen zuordnen. Gez. Corentin >

Wieder las der junge Rittmeister die Schriftstücke rasch. Eine Reaktion auf die Worte der Jassilia zeigte er nicht, schließlich formulierte sie aus, was er ohnehin von dem wüstensonnenverbrannten Hirn dachte. Wieder gab er die Zettel zurück. "Bruder Corentin liegt damit völlig richtig. Prinz Silann hingegen zeigt die bizarren Züge, die in den Kreisen des Adels auf aller Welt nicht selten sind. Sich selbst und seine Meinung hält er für exorbitant wichtig, auch wenn er mit nichts als Nichtigkeiten, Frechheiten und Unsinn aufwartet. Seine Spitzen Euch gegenüber beruhen ebenso auf einer bemitleidenswerten Subjektivität wie seine Illusion von unbegrenzten Einfluss und seiner eigenen Unersetzbarkeit. Sein Verhalten gegenüber fremden Autoritäten ist respektlos und wenn Ihr wünscht, belehre ich ihn eines besseren." Scelian neigt das Haupt mit der Maske der kalten Berechnung vor Jassilia. "Bitte verratet mir noch einmal den Wortlaut der Warnung oder Drohung."

"Gewiss", mit diesen Worten schob sie ihm das unscheinbare Briefchen über den Tisch. Dort stand geschrieben - Wenn dunkle Schatten hinter dem Schleier der Politik nach dem Sichelmond greifen, sind ein scharfer Verstand und das Wissen über die Finsternis die besten Waffen. -

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Sedonis (05.11.2019), Celebringil (05.11.2019), Silann (05.11.2019)

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109

Dienstag, 5. November 2019, 07:54

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"Ob Warnung oder Drohung, Ordensmeisterin. Es ist vage. Wissen und Verstand sind stets die besten Waffen. Aber wer soll der Feind sein? Prinz Silann? Die Mörder der Abutemal? Einen Großteil meines Lebens habe ich im Intrigennetz anderer verbracht und dafür gesorgt, dass die Fäden im Hintergrund richtig gespannt oder durchtrennt wurden." Einen Moment lang lag Scelians Stirn in Falten. "Grundsätzlich bedeutet es nichts anderes, als dass verborgene Schurken die Politik benutzen, um ein Ziel zu erreichen. Den Sichelmond, welche Bedeutung er im Moment auch haben mag. Diese Schurken sind also von ihrer Position, von dem undurchsichtigen Spiel der Politik, oder ähnlichem geschützt und die besten Wege, ihnen zu begegnen ist es, ihre Ziele mit Logik, Vernunft und dem Wissen um ihre wahren Intentionen auszuhebeln. Könnt Ihr mit dieser Formulierung womöglich auf etwas schließen?"

"Kann ich ja. Ich gehe davon aus, dass man uns gezielt dabei haben will, genau weil Silann nichts herausfindet..oder nichts herausfinden will. Das wäre zumindest eine Möglichkeit."

Ein Lächeln manifestierte sich in dem hübschen Antlitz. "Das wäre der nächste Punkt gewesen. Welche Absicht derart vage Worte verfolgen, wenn sie weder als gezielte Warnung, noch als Drohung taugen. Natürlich soll der Empfänger trotzdem in eine gewünschte Richtung manipuliert werden und fadenscheinige Formulierungen - des Prinzen Steckenpferd - sind dabei oft erfolgreicher als klare Ansagen - des Prinzen große Scheu."
Scelians Lächeln verschwand wieder. "Ordensmeisterin, sagt, in welche Ecke stellt Ihr den Prinzen auf Basis Eures hochgelobten Bauchgefühls? Freunde? Feinde? Ein Mann gemeinsamer Interessen? Ein Mann auf der Suche nach einem Sündenbock?"


"Weder noch, Sagt Euch der Begriff Maulhure etwas?"

Sichtlich schmutzige Belustigung huschten über Scelians ungebändigte Visage. "Jetzt wird es interessant. Ist er jemandes, oder will er Euch als seine? Weiht mich in in Eure Gedanken."

"Nein", sie schmunzelte.."Er ist ein Blender, ein Angeber. Er meint zu wissen und versteckt diese Unwissenheit in seiner Überheblichkeit. Ihr habt den Brief gelesen. Vielleicht will er sich aber auch mit fremden Federn schmücken...ich weiß es nicht. Ich weiß nur...dass ich ihn nicht mag."

"Mein Angebot steht, Ordensmeisterin." Wieder neigte Scelian sein Haupt, wobei er auch schon fortfuhr. "Ihr räumt der Nachricht Bedeutung ein, sonst hättet Ihr sie nicht am Vorabend rezitiert. Wie also plant Ihr vorzugehen?"

"Was haltet Ihr von einem Brief direkt an die Mäzenin?", fragte sie nach einem guten Schluck Kaffee.

"Wenn Ihr den Brief unverfänglich verfasst, ist es weniger gefährlich." Nachdenklich wanderte das eisige Augenmerk rechts an Jassilia vorbei. "Sollte die Nachricht wirklich von Ihr selbst oder dem Gelehrten al-Rashid stammen, ist das Vorgehen gut. Sollte der Prinz mit unter der Decke stecken, mag es ein Test sein."

"Das Vorgehen passt nicht zu Namir und auch nicht zu Silann. Beide würden meines Erachtens nicht einmal auf die Idee kommen. Ich hätte nun Madame Barneau direkt damit konfrontiert. "

"Dann solltet Ihr das tun, Ordensmeisterin. Ihr kennt sie. Mir ist sie fremd, ebenso wie weite Teile der gemeinsamen Geschichte und die Geschichte um die Abutemal." Der Rittmeister lenkte sein Augenmerk wieder auf die Iriden der Jassilia und betrachtete diese neugierig. "Warum macht Ihr Euch überhaupt noch Gedanken darüber, wo die Zusammenarbeit mit dem Prinzen wenig erfreulich verläuft?"

"Es geht mir nicht um diesen Prinzen, sondern um das, was möglicherweise dahintersteht...und zwar eine Art Kult."

"Ein Kult in Hammerfell? Oder denkt Ihr, dieser Kult verästelt sich bis in den Dunstkreis des Ordens?" Kurz verengte sich der Blick. "Genauer gesagt nach Hochfels. Ist dies ein ernst-zunehmender Kult, so liegt seine Aufmerksamkeit längst auch auf den Gekreuzten Klingen, dank dem offenen Vorgehen."

"Nein, mit dem Orden hat es nichts zu tun, eher mit dem Abschlachten von Abutemal. Mir ist es auch egal, wer, wo und wie getötet wurde. Mich interessiert nur, dass es überhaupt geschah. Aber ja, ich bin mir sicher, dass die Aufmerksamkeit schon auf uns ruht.", besonders Letzteres kam recht gelassen über ihre Lippen.

Mit einer ungewohnt offen nachdenklichen Miene ruhte der helle Blick des jüngeren Mannes auf der älteren Ordensmeisterin. "Deswegen und bei allem Respekt, Ordensmeisterin, sollten wir gelegentlich auch etwas unauffälliger agieren. Jeder Kult erkennt uns als Feind, doch Kultisten tun uns nur selten den Gefallen, ähnlich offen wie wir aufzutreten." Da schrägte sich auch das Haupt wieder ein wenig. "Und wenn Ihr sicher seid, dass die Aufmerksamkeit auf uns ruht, könnte die fadenscheinige Warnung auch von unseren Widersachern stammen, um unseren Fokus zu verrücken."

"Macht es einen Unterschied?"..

"Das hängt vom Blickwinkel ab. Für Eure nächste Handlung? Nein, schätze ich. Von der Warte einer Spürnase aber ist es wichtig zu wissen, wessen Blick auf uns ruht."

"Das gilt es herauszufinden.", sie schmunzelte und es wirkte, als wüsste der Jäger um den 31-Ender...nur sei ihm der Aufenthalt noch nicht bekannt. "Dann werde ich der guten Barneau eine Nachricht schicken und wir warten demnach erst einmal ihre Antwort ab?"
"Eine...unverfängliche", setzte sie nach.

"Ihr beginnt mir zu gefallen, Ordensmeisterin. Nun noch ein Ausritt in nichtssagendem Rüstzeug und ohne Wams in eigenen Landen, eine verborgene Operation und das Meucheln eines Kultistenführers und ich glaube mich am Tor geirrt zu haben." Da trank der Rittmeister seinen Kaffee aus und erhob sich langsam. "Hoffentlich aber ... färbe ich im Laufe der Zeit nicht derart auf Euch ab."

Sie lachte leise auf. "Niemals, Rittmeister, das wäre nicht ich. Wenn ich schon der Fratze ins Gesicht sehe, dann darf sie wissen...wer wir sind."
"Ich lasse Euch noch entsprechendes Informationsmaterial zukommen."

"Danke sehr. Aber Eure Aussage hat einen Haken. Die Fratze erkennt uns, während wir die Fratze nur erahnen und nicht festmachen können." Die leere Tasse nahm Scelian wie stets mit. Sie verschwand während dem disziplinierten Neigen des Hauptes hinter dem Rücken.

"Hin und wieder lässt genau das sie überheblich werden und nun...ab zum Training ", sie schmunzelte und erhob sich.

"Dabei ist Euer Gesicht doch schon so schön farbenfroh, Ordensmeisterin. Ich persönlich würde daran nichts mehr ändern wollen", lachte der Rittmeister doch glatt zurückhaltend auf, als er sich auf dem Weg zur Türe machte.

"Oh, das ist gar kein Problem, Rittmeister, wenn es Euch gefällt. Meldet Euch bei Dendu", da grinste sie und widmete sich wieder ihrer Arbeit, dem peniblen Sortieren von Papieren. Nun gut, irgendwie hatte sie wohl ihre eigene Ordnung.

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Celebringil (05.11.2019), Silann (05.11.2019)

110

Montag, 2. Dezember 2019, 23:46

Ein Brief unter dem Siegel des Ordens

Eine Nachricht, auf dessen Kuvert das Siegel des Ordens der Gekreuzten
Klingen prangt, findet ihren Weg zum Haus der Wissenschaft, Wegesruh.
Der Brief, an niemand geringeres als Namir al-Rashid gerichtet,
offenbart sich in einem gestochen sauberen und ansehlichen

Schriftbild. Der Verfasser verzichtete auf Zier, Verschnörkelungen
und sonstiges Beiwerk.

Zitat

Geehrter Monsieur al-Rashid,

als Offizier des Ordens der Gekreuzten Klingen richte ich mein Wort im
Namen des selbigen an Euch. Womöglich erinnert Ihr Euch an unsere
flüchtigen Begegnungen vor einiger Zeit, auf dem Schiff des Prinzen,
sowie auf der Ordensburg. Nun, da beunruhigende Gerüchte von
jenseits der Iliac-Bucht auch an diese Gestade schwappen und Eure
Briefe Besorgniserregendes beschrieben, erging der Beschluss, Euch
alsbald in Wegesruh die Aufwartung zu machen. Die Vorteile nicht
außer Acht lassend, welche ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht
bietet, wird der Orden der Gekreuzten Klingen bei einem persönlichen
Treffen durch meine Person und meine Begleiter vertreten werden. So
es die Wetterverhältnisse zulassen, brechen wir zum 8. Abendstern
auf und erreichen Wegesruh kommende Woche.


Acht Segen mit Euch

Scelian, Rittmeister und Offizier des Ordens der Gekreuzten Klingen

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