Sie sind nicht angemeldet.

Dolchsturz-Bündnis [Plot] Königreich der Toten

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: The Elder Scrolls Online Rollenspiel-Community Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

1

Sonntag, 23. Februar 2020, 11:53

[Plot] Königreich der Toten

Eine kurze Übersicht aller wichtigen Personen und Häuser
aus den beiden vorhergehenden Plots "Abutemal" und "Schattenspiel"

Haus Abutemal - ehrwürdige rothwardonische Händlerfamilie, die in Schildwacht viel Ansehen und Respekt genoß. Die Familie wurde während einer Zusammenkunft brutal ermordet.

Haus Ashere - Prinz Silann Ashere, wohlhabender Händler und einst enger Freund des Hauses Abutemal; ihm stets treu zur Seite steht seine rechte Hand Isra al Abin. Prinz Silann schwor bittere Rache gegen Abutemals Mörder. Ashere war neben al Bergama eines der beiden rothwardonischen Häuser, die die Pläne des Schakals im letzten Moment durchkreuzten.

Haus al Bergama - Nael bin Tuan al Bergama, ältester Sohn der Händlerfamilie, und Mirya, seine jüngere Schwester, begleiteten Prinz Silann bei der Jagd nach dem Schakal. Ihnen zur Seite stand der Leibwächter und Krieger Sadir Yokeda. Nach dem Sieg über den Schakal hat Nael sich wieder gänzlich dem Handel gewidmet und in Schildwacht einen Außenposten eröffnet.

Naniisa T´allum - eine erfahrene Kriegerin, passable Köchin und enge Verbündete von Prinz Silann. Sie war eine der Gefährten, die dabei half, den Schakal aufzuhalten.

Namir al-Rashid und Ghin Korcisis - zwei Forscher aus dem Haus der Wissenschaft in Wegesruh. Sie waren mit an der Jagd auf Harkiim al-Shayan beteiligt, dem Mörder der Familie Abutemal. Bei der Jagd nach dem Schakal spielten sie nur eine kleine Rolle.

Harkiim al-Shayan - ein Betrüger und einflussreicher Banditenanführer. Wurde vom Schakal dazu verleitet, das Haus Abutemal umzubringen. Als der Schakal Harkiim nicht länger für seine Pläne benötigte, wurde der Banditenanführer durch einen Verrat von seinen eigenen Leuten umgebracht.

Bruder Corentin - junger Mönch eines Ordens aus Kluftspitze. Enger Verbündeter des Ordens der Gekreuzten Klingen und mit Namir al-Rashid bekannt. Als er von den Ereignissen in Schildwacht erfuhr, hatte er schon früh den Verdacht, daß Daedra-Anbeter die Fäden zogen.

Scelian - Rittmeister und Offizier des Ordens der Gekreuzten Klingen. Unterstützte maßgeblich mit einer kleinen Schar tapferer Ordensmitglieder die Häuser Ashere und al Bergama, als es zum entscheidenden Kampf gegen den Schakal kam.

Kaan al-Adis - den meisten nur als "der Schakal" bekannt. Gab vor, die Kronen in Schildwacht einen zu wollen, um König Fahara´jad zu stürzen und die Kronen zu alter Macht zu führen. Sein wahres Ziel war ein möglichst blutiger Bürgerkrieg zwischen Ahnherren und Kronen, ausgelöst durch eine lange Reihe von Intrigen - zu Ehren von Boethiah. Kaan konnte erst im letzten Moment aufgehalten werden. Er wurde ins Gefängnis des Königs gebracht und kurz darauf im Verborgenen hingerichtet.

Marik el-Demir, Kamelhändler Casim und seine Frau Aleyha, sowie ihre Tochter Salima al-Maysun, und schließlich Tahir al-Rami waren allesamt einflussreiche Anhänger der Ahnherren und fielen den Intrigen des Schakals zum Opfer. Die Mehrheit von ihnen starb durch Morde, die als Unfälle getarnt waren. Salima al-Maysun war eine der wenigen, die den Schakal jemals persönlich gesehen hatte. Salima führte Isra al Abin und Sadir Yokeda zu einem geheimen Versteck Kaans, daß sie entdeckt hatte, als sie Kaan einmal heimlich gefolgt war. Später wurde sie von den Leuten des Schakals verschleppt und ermordet.

~ ~ ~

Nach dem Sieg über Kaan al-Adis feierten die Gefährten in einem prachtvollen Anwesen der Familie al Bergama ihren Triumph. Bündnisse wurden geschmiedet, neue Freundschaften geschlossen. Bei Musik und einem reichhaltigen Buffet gab es angeregte Gespräche, und so manches Mal wurde auch gelacht. Keiner der Gefährten ahnte während der ausgelassenen Feier, daß der Schrecken noch lange nicht vorbei war ...

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

DerDualist (23.02.2020), Silann (23.02.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

2

Sonntag, 23. Februar 2020, 12:08



Der Magier

Eine Krähe musterte die beiden näherkommenden Menschen argwöhnisch, breitete ihre Flügel aus, und erhob sich mit einem Krächzen in die Luft. Sylvain schenkte dem Vogel keinerlei Beachtung. Sein wachsamer Blick galt allein dem Holzschuppen, dem er und sein Schüler Maurice sich näherten. Maurice schnaupte verächtlich. "So also sieht ein gefährliches Kultistenlager aus. Da haben wir ja alle Hände voll zu tun." Der bretonische Krieger verpasste seinem Schüler mit der Hand einen leichten Schlag auf den Hinterkopf. "Du urteilst zu vorschnell. Der Feind nutzt viele Möglichkeiten der Täuschung. Lerne, deinem Instinkt zu vertrauen, nicht deinen Augen. Waren all die Stunden in der Kriegergilde denn völlig umsonst?" Maurice schmollte kurz, erwiderte jedoch nichts.

Besorgte Bürger hatten sich an die Kriegergilde gewandt. Es gab Gerüchte, nördlich von Dolchsturz seien in einem abgelegenen Schuppen zu später Stunde Lichter und in Roben gehüllte Gestalten zu sehen gewesen. Die Kriegergilde beschloss, einen ihrer Leute als Späher dorthin zu schicken, um der Sache auf den Grund zu gehen. Oftmals gab es einfache Erklärungen, von Wegelagerern bis hin zu Adepten der Magiergilde, die sich einen Spaß erlaubten. Nur sehr selten steckte tatsächlich mehr dahinter. Entsprechend hatte Sylvain einen langweiligen Auftrag erwartet und die Gelegenheit genutzt, seinen noch jungen Schüler mitzunehmen.

Doch nun, wo sie dem Schuppen näher kamen, beschlich den Krieger eine böse Vorahnung. Auch Maurice schien langsam zu dämmern, das etwas nicht stimmte. Er wirkte zunehmend angespannt. Dabei sah der Schuppen von aussen völlig harmlos aus. Ein aus Holzlatten mehr schlecht als recht zusammengezimmerter Bau, wie er allzu oft von Bauern als einfache Lagerstätte genutzt wurde. Nichts deutete auf eine Gefahr hin, geschweige denn auf Kultisten, die hier düstere Rituale gefeiert haben könnten.

Nachdem die beiden ihr Ziel erreicht und den Schuppen misstrauisch umrundet hatten, öffnete Sylvain die Tür, die sich mit einem lauten Knartzen öffnete. Trotz des strahlend blauen Morgenhimmels und der zahlreichen Spalten in den Wänden des Schuppens war es im Inneren völlig finster. Als ob das Licht durch dunkle Magie draußen gehalten wurde, kam es Sylvain in den Sinn. Er zog sein Schwert, während er Maurice ein Zeichen gab. Der junge Bursche holte rasch eine Fackel aus seinem Rucksack, entzündete sie mit Zunderzeug, und reichte sie an seinen Lehrmeister.

Die Flamme schien zunächst Mühe zu haben, die Dunkelheit zu vertreiben, doch schließlich konnten die beiden zumindest etwas erkennen. Und das war bereits mehr, als ihnen lieb war. Maurice keuchte erschrocken, und auch Sylvain wurde nun unruhig. An den Wänden befanden sich etliche Kisten unterschiedlicher Größe und Form, auf denen endlos viele Kerzen aufgestellt waren. Die Wände selbst, und sogar die Decke, waren voll von mit Kreide angebrachten daedrischen Symbolen. In der Mitte des Schuppens war auf dem Holzboden ein großer Kreis aufgemalt, ebenfalls mit daedrischen Symbolen versehen. Inmitten des Kreises lagen zwei längliche Bündel, das die beiden im matten Licht zunächst nicht einordnen konnten. Dann begriffen sie ...

Maurice stürmte nach draußen, wo er sich übergeben musste. Sylvain lief ein eisiger Schauer über den Rücken. Das eine Bündel war die Leiche eines Mannes, dem vollständig die Haut abgezogen worden war. Und zwar, wie ein Medicus später feststellen sollte, auf äußerst fachmännische Weise. Das flachere Bündel unmittelbar daneben war die abgezogene Haut der Leiche, zusammengenäht und fein säuberlich daneben aufgebahrt. "Akatosh steh uns bei ..." flüsterte Sylvain.

Plötzlich hörte der Krieger aus einer hinteren Ecke ein Geräusch. Reflexartig drehte er sich um, auf einen Angriff gefasst. Behutsam ging der Krieger in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Dann erblickte er zu seiner Überraschung einen in der Robe der Magiergilde gekleideten Mann, der völlig verängstigt zwischen zwei Kisten kauerte.

Die Überraschung wurde noch größer, als er den Magier wiedererkannte. Es war sein einstiger Gefährte Albert Jondrelle, ein eigenbrötlerischer Kampfmagier. Sylvain kniete sich nieder und sprach seinen Gefährten behutsam an. Doch wie sehr sich der Krieger auch bemühte, Albert reagierte nicht. Alles, was Sylvain aus ihm herausbekommen konnte, war ein gelegentliches, völlig verängstigtes Wimmern. Als er seinem einstigen Gefährten in die Augen sah, erblickte er darin nichts als nacktes Grauen.

Sylvain wollte diesen abscheulichen Ort nur noch rasch verlassen und die Kriegergilde warnen. Gerade, als der Krieger sich erheben wollte, schoss Alberts Hand blitzartig vor und packte Sylvains Handgelenk mit eisernem Griff. Unter großer Anstrengung, als würde ihm das Sprechen Schmerzen bereiten, flüsterte der Magier zwei Worte: "... Rittmeister ... Scelian ..."

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Celebringil« (25. Februar 2020, 17:45)


Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

DerDualist (23.02.2020), Silann (23.02.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

3

Freitag, 6. März 2020, 14:00

Eine Angelegenheit der Magiergilde

Sylvain war nach dem schrecklichen Fund zusammen mit seinem Schüler Maurice und dem Magier Albert Jondrelle geradewegs nach Dolchsturz geeilt, um in der Kriegergilde Meldung zu machen. Sofort wurde ein Bote zur Magiergilde entsandt, um das weitere Vorgehen zu planen. Albert wurde Heilern übergeben, die bereits nach einer ersten Untersuchung andeuteten, daß es wohl keine Hoffnung auf Heilung geben würde. Der Magier würde wahrscheinlich für den Rest seines Lebens nichts anderes mehr kennen als ständige Angst.

Während Maurice für die nächsten Tage mit anderweitigen Aufgaben betraut wurde, hieß es für den bretonischen Krieger, abzuwarten. Doch Sylvain war keineswegs bereit, seine Zeit mit Nichtstun zu verbringen und begann, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Eine erste Spur zu Rittmeister Scelian war rasch gefunden. Ein Mitglied des Ordens der Gekreuzten Klingen, zuletzt aktiv in Schildwacht, wo er mit einigen Ordensmitgliedern die rothwardonischen Adelshäuser Ashere und al-Bergama im Kampf gegen einen einflussreichen Kultistenanführer unterstützte. Sylvain hatte zuvor gerüchteweise davon gehört, den Geschichten jedoch nicht allzu viel Beachtung geschenkt. Schildwacht war für den bretonischen Krieger weit entfernt, seine Heimat war Daenia, nicht irgendeine Wüstenstadt.

Aber es gab keinerlei Hinweise darauf, daß sein einstiger Gefährte Albert in irgendeiner Weise daran beteiligt gewesen war. War der Magier einfach nur der Meinung, Rittmeister Scelian sei der Richtige, wenn es um die Jagd auf Kultisten ging? Das ergab keinen Sinn. Es gab genug andere fähige Frauen und Männer, die reichlich Erfahrung im Kampf gegen Kultisten hatten. Doch eine Verbindung zu Kaan al-Adis, dem Schakal, schien es ebenso wenig zu geben. Zumal Kaan offensichtlich hingerichtet wurde. Sylvain beschloss, dem Ordenskrieger ein Schreiben zu senden mit der Bitte um ein Treffen. Womöglich konnte Scelian die Antworten geben, nach denen der Bretone suchte.

Während Sylvain noch auf eine Antwort auf sein Schreiben wartete, gab es eine unangenehme Überraschung. Ein ranghohes Mitglied der Kriegergilde teilte ihm nach einigen Tagen mit, daß die Angelegenheit für Sylvain abgeschlossen sei und er sich nicht weiter darum kümmern brauche. Die Magiergilde nehme sich des Vorfalls an und danke für den raschen Hinweis auf kultistische Aktivitäten. Der bretonische Krieger war irritiert und verärgert zugleich und keineswegs bereit, die Sache so einfach auf sich beruhen zu lassen. Doch wie sehr er auch nachhakte, Sylvain wurde abgewiesen. Nicht anders erging es ihm in der Magiergilde, wo man sogar zuerst so tat, als wisse man nicht, worum es gehe.

Wer legte so großen Wert darauf, daß der Fall geheim gehalten wurde? Und warum? Warum wurde unter den Bewohnern von Dolchsturz nicht darüber geredet, nicht mal in Form von vagen Gerüchten? Wo sich solche Geschichten doch sonst so rasch verbreiteten? Noch merkwürdiger, sowohl in der Krieger- als auch in der Magiergilde schien tatsächlich kaum jemand mehr zu wissen, abgesehen von einem sehr kleinen Kreis Eingeweihter, die sich weigerten, Auskunft zu geben. Was Sylvain besonders hart traf, er wurde "gebeten", den Vorfall auf sich beruhen zu lassen, mit dem Hinweis, die Magiergilde kümmere sich darum.

Endlich erreichte ihn ein Antwortschreiben des Kaiserlichen Scelian. Er begleite eine Expedition nahe Aldfelden und sei bereit, sich mit Sylvain in der dortigen Kriegergilde zu treffen. Es würde Ärger mit seinen Vorgesetzten geben, doch das scherte Sylvain nicht. Der Bretone würde der Sache auf den Grund gehen und nicht eher ruhen, bis er wusste, was hier vor sich ging ...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Celebringil« (6. März 2020, 14:05)


Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

DerDualist (06.03.2020), Silann (06.03.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

4

Montag, 23. März 2020, 13:20

Neue Gefährten

Eine kleine Handelskarawane war von Aldfelden aus nach Dolchsturz aufgebrochen, und wie oftmals üblich, hatten sich einige Abenteurer und Kämpfer den Händlern angeschlossen. So genossen die Händler einen gewissen Schutz vor möglichen Überfällen, während umgekehrt die bewaffneten Begleiter unterwegs ein wenig Unterhaltung und abends ein Lager und etwas zu Essen hatten. Es war eine recht bunte und lebhafte Gruppe, in der viel geredet, gelacht, und so manche mehr oder weniger glaubhafte Geschichte erzählt wurde.

Einer der Reisenden jedoch war die meiste Zeit über gedanklich abwesend. Sylvain Amaury brummte der Schädel. Er war mit zahlreichen Fragen nach Aldfelden gereist. Doch statt Antworten zu erhalten, war der bretonische Krieger ungewollt in eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes geraten. Die Magiergilde Dolchsturz, der Orden der Gekreuzten Klingen, wahnsinnige Kultisten, der "Schakal", eine niedere daedrische Gottheit namens Rattenmeister, und zu allem Überfluss auch noch sein einstiger Gefährte Albert Jondrelle - sie alle (und womöglich noch mehr Beteiligte) schienen auf irgendeine Weise in diese Verschwörung verwickelt zu sein.

Kaum in Aldfelden angekommen, bekam Sylvain die Gelegenheit, mit dem Kaiserlichen Scelian zu sprechen. Die Enttäuschung war jedoch groß. Scelian war anfangs nicht nur äußerst misstrauisch, sondern konnte zudem kaum wirklich etwas erzählen, was Sylvain hätte weiterhelfen können. Der Kaiserliche konnte sich weder daran erinnern, in letzter Zeit mit einem Magier zusammen gekämpft zu haben, noch konnte er etwas mit dem Namen Albert Jondrelle anfangen. Immerhin war Scelian bereit, dem aus Dolchsturz angereisten Krieger zuzuhören, und je später der Abend, desto mehr wich das Misstrauen und wuchs die Neugier des Kaiserlichen.

Scelian war bereit, mit einigen seiner Gefährten zu sprechen, die in Schildwacht an seiner Seite gekämpft hatten. Ein weiteres Treffen wurde vereinbart, dann sollte entschieden werden, ob die Gruppe, die einst den Schakal besiegt hatte, Sylvain würde helfen können. Das zweite Treffen verlief zunächst ganz ähnlich wie das erste - Misstrauen und Vorsicht schlugen dem Bretonen entgegen, viele Fragen wollten beantwortet werden, und der Krieger musste erneut ausführlich von seiner grausamen Entdeckung in jenem Schuppen berichten, in dem die Geschichte begonnen hatte. Dabei zeigte sich, daß Scelian, Isra al Abin, und der Mönch Corentin gut aufeinander abgestimmt zu sein schienen. Während einer von ihnen Fragen stellte, beobachteten die anderen beiden Sylvain genau, oder tauschten gelegentlich kurze Blicke aus.

Zu seiner großen Erleichterung waren die Gefährten bereit, zusammen mit Sylvain herauszufinden, was mit Albert passiert war - und was die Magiergilde Dolchsturz so dringend vertuschen wollte. Doch als Isra, der Mönch Corentin und Scelian laut Überlegungen anstellten und Sylvain auch noch eindringlich auf die Gefahren aufmerksam machten, die dem Krieger von nun an voraussichtlich drohen würden, wurde es ihm ganz schwindelig. Er war es gewohnt, auf dem Schlachtfeld zu kämpfen, gegen Krieger und Kämpferinnen, gegen wilde Bestien unterschiedlichster Art und Größe. Doch umgeben von Intrigen und Täuschungen, von Schatten, die nur eine Illusion oder doch eine tödliche Gefahr sein konnten, das war eine Welt, die sich dem Verständnis von Sylvain völlig entzog.

Nun also reiste der Krieger als Begleitschutz einer Handelskarawane zurück nach Dolchsturz, wo er sich später mit den Gefährten treffen würde. Sylvain betete stumm, daß sie Licht ins Dunkel bringen und das Geheimnis um Albert Jondrelle lüften konnten.

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Corentin (23.03.2020), Silann (23.03.2020), DerDualist (18.04.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

5

Mittwoch, 15. April 2020, 15:42

Erste Schritte

Es war schon erstaunlich, wie schnell sich das Schicksal wenden konnte. Noch vor wenigen Stunden saß Sylvain Amaury sichtlich angetrunken und zutiefst bedrückt an einem der Tische im Gasthaus Zum Rosenlöwen. Und nun stand er in seinem Zimmer und versuchte, rasch einen klaren Kopf zu bekommen, während er sich hoffnungsvoll eine Verkleidung zurecht legte.

Als der bretonische Krieger nach Dolchsturz zurückgekehrt war, gab es ausnahmslos schlechte Nachrichten für ihn. Die Magiergilde Dolchsturz war alles andere als erfreut darüber, daß Sylvain auf eigene Faust weiterhin Nachforschungen anstellte - und erteilte dem Krieger kurzerhand für unbestimmte Zeit ein Hausverbot. Das mochte das Beschaffen weiterer Informationen erschweren, war jedoch vergleichsweise nebensächlich. Aus den zauberkundigen Mitgliedern der Gilde mehr herauszufinden, wäre wohl ohnehin ein hoffnungsloses Unterfangen gewesen.

Ein schwerer Schlag in die Magengrube war dagegen das spurlose Verschwinden seines Schülers. Maurice mochte zuweilen unüberlegt handeln, doch er war stets zuverlässig, und die Ausbildung in der Kriegergilde war ihm geradezu heilig. Es musste schon einen sehr triftigen Grund geben, daß Maurice einfach so verschwand. Viel wahrscheinlicher war jedoch, daß der angehende Krieger entführt oder sogar ermordet wurde, während sein Lehrmeister sich in Aldfelden aufgehalten hatte. Wo auch immer Sylvain nachfragte, es gab nicht den leisesten Hinweis, der zu seinem Schüler hätte führen können.

Es drängte sich der Verdacht auf, daß jemand den bretonischen Krieger unter Druck setzen oder sogar dazu bringen wollte, ganz mit den Nachforschungen aufzuhören. Und genau das sorgte für reichlich Gerüchte und Unmut unter den anderen Mitgliedern der Kriegergilde. Schnell hieß es, Sylvain Amaury halte sich nicht mehr an Vorschriften, und wer sich mit ihm abgebe, gerate in ernste Schwierigkeiten. Die Gildenleitung beschloss, den Bretonen bis auf weiteres vom Dienst frei zu stellen, bis sich die Lage etwas beruhigt hatte.

Als Isra der Rothwardone, Bruder Corentin und Rittmeister Scelian den Krieger im Rosenlöwen antrafen, berichtete er übellaunig von den aktuellen Ereignissen. Doch statt Flüche und Verwünschungen auszustossen, schienen die Gefährten kaum wirklich überrascht. Ganz so, als seien sie solche "Attacken" eines unsichtbaren Feindes gewohnt, wurden rasch Pläne geschmiedet und das weitere Vorgehen besprochen. Bruder Corentin bot Sylvain einen möglichen Zufluchtsort in Form eines Klosters an, sollte sich die Lage weiter verschlimmern. Außerdem wollte der Mönch zusammen mit den beiden anderen Männern Albert Jondrelle im Heilerhaus aufsuchen, in der Hoffnung, vielleicht doch etwas vom Magus zu erfahren, was sie weiterbringen würde. Scelian wollte sich zudem so verkleiden, daß er auf den ersten Blick aussah wie der bretonische Krieger, um die Aufmerksamkeit möglicher Attentäter auf sich zu ziehen. Sylvain wiederum sollte auf Anraten der drei Gefährten ein anderes Zimmer nehmen und seinen Namen sowie sein Äußeres ändern.

Endlich gab es etwas konkretes zu tun. Endlich gab es handfeste Pläne, um herauszufinden, was hier vor sich ging. Was mit seinem einstigen Gefährten Albert und seinem Schüler Maurice passiert war. Vielleicht, dachte Sylvain, vielleicht wüssten sie in wenigen Tagen bereits, wer für all das verantwortlich war und konnten ihn womöglich sogar zur Rechenschaft ziehen.

Keiner der Beteiligten ahnte zu dieser Zeit, daß ihre Suche sie in einen zutiefst verstörenden Alptraum führen würde ...

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (15.04.2020), Corentin (15.04.2020), Sedonis (16.04.2020), DerDualist (18.04.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

6

Donnerstag, 23. April 2020, 12:53

Gebrochene Seele

Wie vereinbart, waren Bruder Corentin, Scelian, und Isra im Heilerhaus, um möglicherweise Antworten von Albert Jondrelle zu bekommen. Scelian und Isra hatten sich als Laien verkleidet, während Corentin vorgab, den Kranken segnen zu wollen.

Der bretonische Magier saß völlig apathisch in einer Ecke der Heilerstube. Die Anwesenheit der drei Besucher schien er überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen. Gelegentlich schaute er sich nervös um, geriet für einen kurzen Moment ohne ersichtlichen Anlass in einen Angstzustand, beruhigte sich und verfiel wieder in seinen abwesenden Zustand. Einmal schreckte er auf, schlug sich nervös mit den Händen an den Kopf und schluchzte panisch. Eine gebrochene Seele, ein Mann, von dem nichts als die körperliche Hülle zurückgeblieben war.

Während Isra und Scelian sich zurückhielten, ging der Mönch behutsamen Schrittes auf den Kranken zu und redete beruhigend auf ihn ein. Doch die einzige Reaktion, die Albert zeigte, war ein dämmriger Blick zu Corentin und die Worte "... Rittmeister Scelian ...". Corentin betete für den Kranken und sprach seinen Segen aus, während Scelian sich im Hintergrund leise mit der Heilerin unterhielt und Isra verstohlenen Blickes alles mitverfolgte. Hier endlich schien der bretonische Magier aufzuhorchen und angestrengt zu lauschen. Als Scelian sich dem Kranken näherte, streckte Albert unerwartet und mit geradezu flehendem Blick die Hand nach dem Kaiserlichen aus.

Kaum war er nahe genug, beugte sich der Magier vor und flüsterte Scelian in einer unverständlichen Sprache etwas zu. Da Scelian damit nichts anfangen konnte, bat er mit milder Stimme, die Worte in Allgemeinsprache zu wiederholen. Albert Jondrelle wirkte nun das erste Mal seit langem unerwartet klar und geistig anwesend. Tränen liefen ihm über das Gesicht, während er erschöpft um Vergebung bat. Dann brachte er nur noch die Worte "... reist nach Stros ... sucht ... schöne Marie ..." hervor, um schließlich erschöpft zu sterben. Den Gefährten blieb nichts weiter übrig, als in bedrückter Stimmung das Heilerhaus zu verlassen.

Später im Gasthaus Zum Rosenlöwen trafen sich Isra, Scelian, und Sylvain in Isras Zimmer. Naniisa, die Bardin und Kämpferin Thalia sowie die Rothwardonin Farha al-Salik hatten sich in den letzten Tagen der Gruppe angeschlossen und nahmen nun ebenfalls an der Besprechung teil. Rasch wurde vom Besuch und dem Tod von Albert Jondrelle berichtet, sowie Neuigkeiten ausgetauscht. Farha hatte über Nacht das Gasthaus im Auge behalten, jedoch nichts Ungewöhnliches bemerkt. Thalia wusste über das eine oder andere Gerücht zu berichten, das möglicherweise im Zusammenhang mit den Ereignissen rund um den bretonischen Magier stehen konnte. Isra wiederum erzählte in knappen Worten von einem Angriff auf ihn. Ein Angriff aus den Schatten, und ein Angreifer, der es spielend leicht schaffte, den erfahrenen Kämpfer zu überrumpeln und ihn mit einer Hand am Hals gut einen halben Schritt hochzuheben, bevor der Krieger geradezu achtlos weggeworfen wurde. Die Würgemale an Isras Hals unterstrichen seine Worte nur zu deutlich. Der nächste Schritt war klar: nach einer weiteren Besprechung mit Corentin wollten die Gefährten nach Stros M'Kai segeln und herausfinden, was es mit der "schönen Marie" auf sich hatte.

Corentin aber war unmittelbar nach dem Besuch im Heilerhaus nicht mit seinen Gefährten gegangen. Der Mönch suchte eiligst einen Arkay-Priester auf, bevor er später den anderen berichten würde. Während der Mönch im Heilerhaus seinen Segen gesprochen hatte, hatte er zugleich bei Albert nach Anzeichen von Magie gesucht - und dabei eine zutiefst beunruhigende Entdeckung gemacht ...

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Corentin (23.04.2020), Marima at-Amal (23.04.2020), Silann (23.04.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

7

Montag, 11. Mai 2020, 17:33

Die schöne Marie

Scelian hatte sich im Hafen von Dolchsturz unter den Matrosen und Hafenarbeitern ausgiebig umgehört. Zum einen, um eine Möglichkeit zu finden, unerkannt nach Stros M'Kai zu reisen. Zum anderen wollte der Kaiserliche mehr über die "schöne Marie" und den unbekannten Angreifer herausfinden. Gab es womöglich ein Schiff mit diesem Namen, das in den letzten Wochen im Hafen von Dolchsturz angelegt hatte? Hinweise auf verdächtige Schmuggleraktivitäten? Merkwürdige Eintragungen in den Logbüchern des Hafenmeisters? Doch die Nachforschungen ergaben nichts, was die Gefährten weitergebracht hätte. Nicht einmal ein kleines Gerücht, das auf den unbekannten (und unheimlichen) Angreifer deutete, der Isra überfallen hatte.

Zumindest bei der Suche nach einer Schiffspassage zur Pirateninsel hatte Scelian Glück. Ein Kapitän von zweifelhaftem Ruf war bereit, die Gefährten gegen einen prall gefüllten Beutel Münzen mitzunehmen. Der Kapitän kannte sogar eine abgelegene Stelle, ein ehemaliges Schmugglerversteck, wo die Gefährten sich niederlassen konnten. Die Mannschaft war jedoch alles andere als begeistert von den "Gästen" und machte während der Überfahrt keinen Hehl daraus. Noch dazu mussten Thalia, Naniisa, und Farha sich während der Reise von den Seeleuten so manch anzüglichen Spruch gefallen lassen. Lediglich Corentin wurde auf dem Schiff mit Respekt behandelt, wurde der Mönch doch von den Matrosen als eine Art Schutzpatron angesehen und gleich zu Beginn der Fahrt dazu "ermuntert", einen Segen auszusprechen.

Endlich am Ziel ihrer Reise, gab es erneut Schwierigkeiten. Der Kapitän war keineswegs bereit, die Gefährten mit einem Beiboot abzusetzen, sondern ließ die Gruppe kurzerhand nahe der Küste über Bord springen und sie den letzten Rest schwimmen. Es war nur ein schwacher Trost, daß die vom Kapitän ausgewählte Stelle tatsächlich eine Schmugglerhöhle war, in der sich die Gefährten vorerst verstecken und ungesehen ein kleines Lager aufschlagen konnten. Corentin erging es etwas besser. Die abergläubischen Seeleute wagten es nicht, den Mönch ebenfalls über Bord zu werfen, so daß er in Hundingshafen in einer Kiste an Land geschmuggelt wurde.

Nachdem die Gefährten ein Lager aufgeschlagen hatten und Corentin dazugestossen war, ruhten sie sich aus und beratschlagten das weitere Vorgehen. Rasch einigte sich die Gruppe, sich am nächsten Abend verkleidet unter die Leute zu mischen und sich möglichst unauffällig umzuhören. Der naheliegendste Ort war für den Anfang das Gasthaus Zur kreischenden Meerjungfrau. Hier trieben sich allerlei Piraten, Schmuggler, Abenteurer, Trunkenbolde und gescheiterte Existenzen herum. Sylvain indessen hatte sich bereits frühzeitig von der Gruppe gelöst, um ein "paar alte Freunde" auszufragen.

Am nächsten Abend war Sylvain immer noch nicht afgetaucht, also machten sich Isra, Scelian, Naniisa, Farha, und Thalia sich ohne den Krieger auf den Weg ins Gasthaus. Corentin hörte sich derweil in Hundingshafen um und bekam die Gelegenheit, sich mit einem Priester des Stendarr auszutauschen. Für den Mönch war längst klar, daß die Bedrohung weitaus größer sein musste, als es anfangs den Anschein gehabt hatte. Während des Besuchs im Heilerhaus hatte Corentin bei Albert Jondrelle ohne jeden Zweifel etwas gespürt, das vermuten lies, daß Albert mit daedrischer Magie belegt worden war. Noch vor der Abreise nach Stros M'Kai hatte der Mönch Nachforschungen angestellt und sich bei engen Vertrauten umgehört - bisher jedoch ohne nennenswerten Fortschritt.

Die anderen Gefährten hatten mehr Erfolg - zumindest, was die Suche nach der schönen Marie anging. Unter den Gästen im Gasthaus stiessen sie schon bald auf einen Matrosen, der eine zugegeben recht merkwürdige Geschichte erzählte. Doch das eine oder andere schien durchaus zu passen, und letztlich war das bisher die einzige handfeste Spur, die sie hatten.

Wenn man Dalan, wie der Matrose hieß, Glauben schenken konnte, hatte einige Wochen zuvor ein Schiff mit dem Namen "die schöne Marie" in Hundingshafen angelegt. Merkwürdig war, daß die Blutfäuste, die sonst alles und jeden kontrollierten, Schiff und Besatzung in Ruhe liessen. Es wurde sogar von Bhoseks Schlägern streng darauf geachtet, daß niemand dem Schiff zu nahe kam. Offenbar war das selbsternannte Oberhaupt der Insel mit reichlich Münzen bezahlt worden, um bei der "schönen Marie" wegzusehen. Ein Schmugglerschiff, das auf einer Pirateninsel besonderen Schutz genoss?

Doch das war längst nicht alles. Von der Mannschaft sah man tagsüber so gut wie niemanden, wie Dalan weiter erzählte. Nur ein einziges Mal am späten Abend wurden von einer Gruppe Seeleute Kisten auf das Schiff gebracht - unter der Aufsicht eines auffallend großen und kräftigen Nord. Dalan und sein orkischer Freund, die das merkwürdige Treiben von einem Versteck aus beobachteten, waren zu dieser Zeit auf der Suche nach Arbeit. Doch während Dalan die Sache zu unheimlich war, marschierte sein Freund geradewegs auf den Nord zu. Vielleicht war das, was der Matrose nun erzählte, reichlich dick aufgetragen, doch es passte auffallend gut zu dem Angriff, den Isra in Dolchsturz erlebt hatte. Der Nord soll nach Dalans Schilderungen mit nur einer Hand den stämmigen und äußerst kräftigen Ork am Hals gepackt, ihn hochgehoben und erwürgt haben. Dann warf er den toten Orsimer achtlos ins Meer. Dalan beteuerte immer wieder nervös, die "schöne Marie" sei verflucht, und mit dem Nord habe etwas ganz und gar nicht gestimmt.

Während die Gefährten sich die Geschichte des Matrosen anhörten, gab es plötzlich ein auffälliges Raunen und Getuschel im Gasthaus. Unmittelbar hinter dem Haus schien sich eine ungewöhnliche Schlägerei oder ähnliches abzuspielen. Isra und Scelian machten sich kurzerhand auf den Weg und stiessen auf eine Gruppe von neugierigen Seeleuten und Inselbewohnern, die sich um die Leiche eines Mannes versammelt hatten. Es war Sylvain Amaury, dem offenbar das Genick gebrochen worden war. Am Hals fanden sich die gleichen Würgemale, wie sie Isra nach dem Angriff in Dolchsturz hatte ...

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Corentin (11.05.2020), DerDualist (11.05.2020), Silann (11.05.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

8

Donnerstag, 21. Mai 2020, 10:47

Geringe Hoffnung

Die Gefährten hatten sich zu ihrem kleinen Lager weit ausserhalb von Hundingshafen zurückgezogen. Der Tod von Sylvain war für manch einen in der Gruppe ein harter Schlag gewesen. Scelian war noch verschlossener als sonst, und er bemühte sich mehr denn je, nicht erkennen zu lassen, was in ihm vorging. Immerhin war er es, den Sylvain Amaury als erstes um Hilfe gebeten hatte (und der Kaiserliche war anfangs nicht gewillt gewesen, der Geschichte des Kriegers Glauben zu schenken).

Doch für Trauer blieb keine Zeit. Sie waren kaum nennenswert vorangekommen bei ihren Nachforschungen und mussten nun neben Albert Jondrelle einen weiteren Toten beklagen. Die einzige Spur, die sie derzeit hatten, war der Hinweis auf das Schmugglerschiff "die schöne Marie". Und selbst darüber wussten sie nur Geschichten und Gerüchte, erzählt von einem Matrosen, der zu viel Rum getrunken hatte. Die Gefährten diskutierten eifrig miteinander. Rasch kam die Idee auf, in den Palast von Oberhaupt Bhosek einzubrechen und die Transportlogbücher zu stehlen. Das selbsternannte Oberhaupt war bekannt dafür, akribisch Buch darüber zu führen, wann welches Schiff in Hundingshafen anlegte. Corentin war jedoch strikt dagegen. Ein Einbruch kam für ihn keinesfalls in Frage, verstiess es doch gegen die Gebote der Götter. Schließlich wurde die Idee fallen gelassen (vor allem Farha schien ein wenig enttäuscht) und stattdessen beschlossen, nach Hundingshafen zurückzukehren und sich dort am Hafen umzuhören. Irgendjemand musste etwas von dem Schmugglerschiff gesehen oder gehört haben. Vielleicht konnten sie doch noch an Informationen kommen, ohne dabei gegen das Gesetz zu verstossen.

Am Hafen verteilten sich die Gefährten, ohne sich dabei aus den Augen zu lassen. Doch wen sie auch befragten, das Ergebnis war immer das gleiche. Niemand wusste etwas von einer "schönen Marie" - oder wollte nichts sagen. Naniisa und Farha hatten etwas mehr Glück. Sie waren auf zwei Bosmer gestossen, die sie bereits zuvor im Gasthaus kennengelernt hatten. Zwar wussten die beiden Waldelfen ebenfalls nichts von dem gesuchten Schmugglerschiff. Dafür waren sie bereit, die Gefährten später auf ihrem Schiff mitreisen zu lassen. So bot sich zumindest die Möglichkeit, rasch die Insel zu verlassen, sobald es nötig werden würde.

Vor der Abreise nach Stros M'Kai, unmittelbar nach den Ereignissen im Heilerhaus, hatte Corentin in Dolchsturz einige Bekannte und Freunde aufgesucht und sie ausgiebig über daedrische Magie und Flüche befragt. Einer der Befragten, Kleriker Enmon, hatte inzwischen etwas herausgefunden. Die Neuigkeiten waren so bedeutsam, dass der Kleriker nicht auf die Rückkehr von Corentin und seine Gefährten warten wollte, sondern rasch zur Pirateninsel folgte. Als Enmon und Corentin am Hafen aufeinander trafen, gab es eine herzliche Begrüßung und einen kurzen Wortwechsel, doch kam Enmon schnell zum eigentlichen Thema. Unauffällig, und doch so rasch wie möglich, schlossen sich Isra und Scelian den beiden Klerikern an - während Naniisa und Farha (sehr zur Verärgerung der anderen) sich ungefragt ins Gasthaus Zur Kreischenden Meerjungfrau begaben, um den beiden Bosmern weitere Gesellschaft zu leisten.

Corentin, Scelian, Isra und Enmon zogen sich ein Stück weit ausserhalb der Stadt zurück, und der Kleriker begann, zu berichten:

Zitat

Vor langer Zeit gab es in der Magiergilde Dolchsturz einen besonders begabten Adepten namens Antoine Lavoisier. Er absolvierte das Studium der Magie dank seiner Fähigkeiten in ungewöhnlich kurzer Zeit und stieg zu einem der erfolgreichsten und anerkanntesten Magier auf. Doch Lavoisier war bereits nach wenigen Jahren unzufrieden. Die Regeln und Prinzipien der Gilde störten ihn zusehends in seinem Streben nach Wissen.

Vielleicht war es anfangs wirklich nur der Wunsch, die Geheimnisse dieser Welt zu enträtseln. Doch irgendwann artete sein Streben in Besessenheit aus. Lavoisier begann, voller Verachtung und Arroganz auf die übrigen Magier zu schauen. Er gab sich nicht mit dem zufrieden, was die Magiergilde an Forschung gestattete, und wandte sich schon bald dem Studium magischer Disziplinen zu, die aus gutem Grund verboten sind. Vor allem die Nekromantie schien Lavoisier ein lohnenswertes Studiengebiet. Von dort aus war es nur noch ein kleiner Schritt hin zu seinem völligen Verderben.

Es wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, ob Lavoisier von sich aus die Hilfe von Boethiah ersuchte, oder ob er von der daedrischen Gottheit verführt wurde. Das Ergebnis bleibt das gleiche: der Magier wurde zu einem treuen Diener der Meisterin der Täuschungen. Als die Magister entdeckten, wie weit ihr Gildenkamerad bereits gegangen war, waren sie sich der drohenden Gefahr nur zu bewusst. Ein Ausschluss aus der Gilde war nicht mehr ausreichend. Doch Lavoisier entzog sich seiner Festnahme und floh. Der Name Antoine Lavoisier wurde aus sämtlichen Aufzeichnungen der Gilde und selbst in den Stadtarchiven gelöscht, jeder Hinweis auf ihn getilgt. Ganz so, als ob es ihn niemals gegeben hätte. Nicht einmal eine Geburtsurkunde ist noch erhalten. In der Magiergilde gibt es daher nur noch sehr wenige, denen der Name überhaupt bekannt ist.

Eine kleine Gruppe von Magiern und Priestern hat es sich zur Aufgabe gemacht, Leute wie Lavoisier aufzuspüren und festzunehmen. Ein Krieg in den Schatten, von dem die meisten von uns nichts mitbekommen. Es gibt in gewissen Kreisen erfreulicherweise Gerüchte, dass Lavoisier kurz davor steht, endgültig gefasst zu werden.

Es muss für den Nekromanten dank seines Charismas ein leichtes gewesen sein, Anhänger und Schüler um sich zu scharen. Einer von ihnen gilt als besonders gefährlich. Niemand kennt seine wahre Identität oder weiss sonst etwas über ihn. Er ist nur bekannt als "der Schakal" und gilt als besonders fanatischer Anhänger Boethiahs. Kaan al-Adis, der sich als "Schakal" ausgab, war nichts weiter als eine Marionette, ein Ablenkungsmanöver. Eure Jagd in Schildwacht sollte offenbar alle glauben lassen, dass Kaan der Schakal sei, während der eigentliche Kopf der Verschwörung ungestört seinen Plänen nachgehen konnte.

Ich habe einige wenige Aufzeichnungen von Kaan studieren können, die den Schluss nahelegen, dass er seinen Meister hintergehen wollte. Kaan hatte im Laufe der Verschwörung mehr und mehr Gefallen an der Idee, tatsächlich neuer König von Schildwacht zu werden. Euer Sieg über Kaan al Adis war letztlich also ganz im Interesse des Schakals.

Wenn hinter dem Mord an Albert Jondrelle erneut der Schakal steckt, sind wir wahrlich in großen Schwierigkeiten. Die Kriegergilde wird Euch nicht helfen, da sie sich nicht in Angelegenheiten der Magier einmischen will. Und die Magiergilde hat kein Interesse, dass die Angelegenheit öffentlich wird. Ich fürchte, Ihr seid auf Euch allein gestellt. Und, was noch schlimmer ist, wir müssen annehmen, dass jeder einzelne Eurer Schritte vom Schakal beobachtet wird. Er wird nichts unversucht lassen, Euch zu seinen Gunsten zu manipulieren. Schildwacht hat uns deutlich vor Augen geführt, wozu der Schakal fähig ist.


Was folgte, waren zahlreiche kritische Fragen, vor allem von Scelian. Enmon versuchte, so gut wie möglich zu erklären, bis die Gefährten sich schließlich halbwegs zufrieden gaben. Endlich kamen auch Farha und Naniisa zurück vom Gasthaus und berichteten, dass sie dank der beiden Bosmer eine Gelegenheit hatten, die Insel möglichst unauffällig zu verlassen. Vor allem Scelian und Corentin waren jedoch alles andere als begeistert. Zu tief saß das Misstrauen, als dass sie bereit waren, sich ihnen unbekannten Waldelfen anzuschließen. Erst recht nach dem, was sie kurz zuvor von Enmon erfahren hatten.

Die Gefährten wussten immer noch nicht, wer hinter all dem steckte, und was die wahren Absichten waren. Sie hatten noch nicht einmal einen handfesten Hinweis, was es mit dem Schmugglerschiff auf sich hatte. Und nun war die Gruppe wegen des weiteren Vorgehens auch noch heillos zerstritten ... während Boethiahs Schatten sich mehr und mehr über die Gefährten legte.

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (21.05.2020), DerDualist (21.05.2020), Corentin (21.05.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

9

Mittwoch, 17. Juni 2020, 16:30

Hilfe von einem Tyrannen

Erneut befanden sich die Gefährten versammelt im Lager wieder, um zu beraten, wie sie weiter vorgehen wollten. Wie schon zuvor dauerte es nicht lange, bis es wieder zu hitzigen Diskussionen kam. Bis es Thalia zu viel wurde und sie das Wort ergriff. Mit leidenschaftlichen Worten und Tränen in den Augen drängte sie die Gruppe, die Streitigkeiten beiseite zu legen und endlich zusammenzuarbeiten. Nur so hätten sie eine Möglichkeit, herauszufinden, was hier vor sich ging und wer hinter all dem steckte.

Thalias Worte zeigten Wirkung. Die Gruppe raufte sich zusammen und einigte sich schließlich auf ein waghalsiges Manöver. Sie wollten alles auf eine Karte setzen und Oberhaupt Bhosek bei einer Audienz geradewegs fragen, was er über die "schöne Marie" wusste. Sollte Bhosek sich nicht sonderlich hilfsbereit zeigen, würde es sicher nicht gut ankommen, wenn sich auf Stros M'Kai herumsprach, dass das Oberhaupt womöglich mit Kultisten zusammenarbeitete. Der Plan war äusserst riskant, schlimmstenfalls landeten sie allesamt im Grab, dem berüchtigten Gefängnis auf der Insel. Doch letztlich hatten die Gefährten kaum eine andere Wahl. Jede andere Möglichkeit wäre vom rechten Pfad abgewichen, womit vor allem Corentin und auch Isra keineswegs einverstanden waren.

Zu ihrer Überraschung bekamen sie ohne längere Wartezeit eine Audienz. Nicht direkt beim Oberhaupt, und auch nicht im Palast selbst, sondern abgeschieden in einem nahegelegenen Turm. Ihr Ansprechpartner war, in Begleitung einer Wache, ein mürrisch-arroganter Bosmer, der aus seiner Abneigung gegenüber den Gefährten keinen Hehl machte. Es war ein höchst merkwürdiges Gespräch. Fast schon erwartungsgemäß tat der Bosmer so, als wüsste er nichts von dem Schiff "schöne Marie" zu berichten und befahl der Gruppe bereits nach kurzem Wortwechsel, die Insel innerhalb einer Stunde zu verlassen. Andernfalls würden Bhoseks Wachen, die Blutfäuste, die Gefährten auf der gesamten Insel jagen und unverzüglich töten. Zugleich steckte der Bosmer dem Mönch Corentin jedoch unauffällig einen Zettel zu, auf dem einige Zahlen notiert waren.

Die Zeit drängte, den Gefährten blieb nichts anderes übrig, als die Insel rasch zu verlassen. Nun zeigte sich, dass die zufälligen Bekanntschaften von Farha und Naniisa der rettende Anker waren. Die beiden Bosmer aus dem Gasthaus "Zur kreischenden Meerjungfrau" waren nur zu gerne bereit, zusammen mit der Gruppe kurzfristig die Insel zu verlassen und sie nach Dolchsturz zu bringen. Vor allem Scelian war jedoch alles andere als begeistert. Er war nicht überzeugt, dass die Fahrt auf einem bosmerischen Schiff wirklich eine willkommene Alternative zum Tod durch wütende Wachen war.

Das Rätsel um die Zahlen auf dem Zettel war indessen schnell gelöst. Mit Hilfe einer Karte bestätigte sich der erste Verdacht. Es waren Koordinaten, und zwar für das kleine Hafenstädtchen Aldfelden. Einerseits hatten sie nun endlich einen Hinweis, wo sie weiter suchen mussten. Andererseits ging alles etwas zu einfach ... Dafür konnte es nur zwei Erklärungen geben. Entweder wollte Bhosek einen lästigen Feind loswerden, ohne sich selbst die Finger schmutzig zu machen. Die Gefährten waren da eine willkommene Lösung. Sollten sie denjenigen, die mit der "schönen Marie" zu tun hatten, das Handwerk legen, hatte das Oberhaupt ein Problem weniger. Der Feind meines Feindes ... Sollten die Gefährten hingegen scheitern, gab es keinen Hinweis darauf, dass Bhosek den Gefährten etwas verraten hätte.

Es gab jedoch noch eine andere Möglichkeit, an die die Gruppe lieber nicht denken wollte ... sie liefen womöglich geradewegs in eine Falle.

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (17.06.2020), Marima at-Amal (17.06.2020), Corentin (19.06.2020), SprichtWieDrachen (17.08.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

10

Mittwoch, 8. Juli 2020, 11:46

Alptraum - Teil I

Die Gefährten waren ohne weitere Zwischenfälle sicher in Dolchsturz angekommen. Es war fast schon eine erholsame Reise, bei der die Gruppe für ein paar Tage das bisher Erlebte vergessen konnte. Lediglich Kleriker Enmon war auffallend ruhig und beobachtete immer wieder nachdenklich Scelian. Darauf angesprochen, wiegelte Enmon mit einem freundlich-unschuldigen Lächeln ab und tat, als sei nichts besonderes.

Kaum im Hafen von Dolchsturz angelangt, trennte sich der Kleriker auffallend rasch von den Gefährten, um Nachforschungen anzustellen. Die Gruppe rund um Corentin suchte indessen auf Wunsch von Scelian die Bank auf, wo der Kaiserliche noch Ausrüstung gelagert hatte. Während Scelian und Thalia sich in der Bank aufhielten, sprach Corentin die übrigen Gefährten auf einen Verdacht an, den er und Enmon zunehmend hegten: eine Düsternis hatte sich auf den Kaiserlichen gelegt, die immer stärker zu werden schien. War Scelian womöglich mit einem heimtückischen Fluch belegt worden? Es war unübersehbar, dass es ihm in letzter Zeit zunehmend schlechter ging. Und - als der Kaiserliche vor einiger Zeit zusammen mit Corentin und Isra im Heilerhaus den völlig verängstigten Magier Albert Jondrelle aufsuchte, hatte der Magier Scelian etwas Unverständliches zugeflüstert.

Nachdem die Gefährten sich später im Gasthaus "Zum Rosenlöwen" versammelt und dort ein ausreichend großes Zimmer für die gesamte Gruppe gemietet hatten, sprach Corentin schließlich seine Befürchtungen offen aus. Scelian schien wenig überrascht, die gesundheitlichen Veränderungen waren ihm selbst schon aufgefallen. Und nicht nur das. Er berichtete den Gefährten zudem, dass er seit geraumer Zeit einen sich wiederholenden Traum hatte, der ihm wie eine Vision erschien. Jedes Mal, wenn er diesen Traum erlebte, schien es, als würde sich die Geschichte ein Stück weiter entwickeln als zuvor. Inwieweit es einen Zusammenhang gab, war unklar, doch sollte der Kaiserliche wirklich von einem Fluch belegt worden sein, galt es vor allem anderen, Scelian davon zu befreien.

Immer neue Fragen, immer neue Rätsel. Sie spürten, dass sie beobachtet und verfolgt wurden. Dass die Bedrohung stetig zunahm. Ein lauernder Schatten, den man nicht fassen, und der doch jederzeit zuschlagen konnte. Der Frust innerhalb der Gruppe wuchs zusehends. Gehörte das womöglich sogar zum Plan ihres unsichtbaren Feindes? Die Gefährten mürbe machen, um sie schließlich in einem Moment der Unachtsamkeit anzugreifen?

Der Kaiserliche schlief in der darauf folgenden Nacht sehr unruhig. Wieder durchlebte er die seltsame Vision. Dieses Mal entwickelte sie sich noch weiter als zuvor - und wurde zu einem handfesten Alptraum ...

Scelian befand sich an einem ihm unbekannten Ort. Es war dämmerig, noch dazu sehr nebelig. In der Ferne konnte er ganz schwach Meeresrauschen hören. Es war recht kühl, die Luft roch etwas feucht, wie nach einem langen starken Regen. Er sah sich um und konnte größere und kleinere Steine erkennen, die aussahen wie stark verwitterte Grabsteine. Hier und da erkannte er auch eine kleine Gruft. Falls dies eine Ruhestätte für Tote war, dann musste sie schon sehr alt sein. Im Nebel sah er, dass eine Gestalt, kleiner und zierlicher als Scelian selbst, sich langsamen Schrittes auf ihn zubewegte. Schließlich, wenige Schritte vor ihm, erkannte er eine junge Frau, die völlig unpassend zur Umgebung ein kostbares Kleid trug. Sie schaute den Kaiserlichen wohlwollend an und sprach zu ihm: "Scelian, Ihr seid endlich angekommen. Ruht Euch ein wenig aus. Ihr seid nun zu Hause." Eine weitere Gestalt tauchte aus dem Nebel auf, ein Krieger. Er war viel größer als die junge Frau, sogar größer als der Kaiserliche, und in eine dunkle Rüstung gekleidet. Etwas zutiefst Böses schien von dem Krieger auszugehen. Die Frau bemerkte die Gestalt entweder nicht, oder sie hatte keinerlei Furcht vor ihm. Der Krieger zog eine Streitaxt und holte zum Schlag aus. Es sah ganz danach aus, als wollte der Mann die junge Frau köpfen. Erst im letzten Moment wurde Scelian klar, dass der Krieger nicht auf die Frau zielte - sondern auf ihn!

Scelian wachte mitten in der Nacht schweißgebadet auf. Am nächsten Morgen fühlte er sich völlig erschöpft und geradezu ausgelaugt - als ob die Träume zunehmend an seiner Lebenskraft zehren würden ...

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Corentin (08.07.2020), Silann (08.07.2020), DerDualist (08.07.2020), SprichtWieDrachen (17.08.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

11

Dienstag, 4. August 2020, 14:00

Alptraum - Teil II

Einige Zeit war seit dem Aufenthalt in Dolchsturz verstrichen. Scelians Zustand hatte sich massiv verschlechtert, und es bestand kein Zweifel mehr, dass er mit einem daedrischen Fluch belegt worden war. Ein Fluch, dessen Wirkung das Opfer oftmals erst nach Tagen oder gar Wochen deutlich zu spüren bekam. Es begann mit gelegentlichen Halluzinationen und endete mit qualvollen Wahnvorstellungen. Das Opfer litt im letzten Stadium unter permanenter Angst und Panik, fühlte sich von daedrischen Kreaturen bedroht, bis es schließlich durch den Tod erlöst wurde. Sie hatten gesehen, wie es Albert Jondrelle ergangen war, der unter dem gleichen Fluch leiden musste. Entsprechend machten sich alle aus der Gruppe Sorgen, doch vor allem für Thalia war es eine harte Belastung, stand sie Scelian doch besonders nah.

Die Gefährten hatten nach einer Reise, die eine Ewigkeit zu dauern schien, die Baronie Normanier erreicht und dort Unterschlupf gefunden. Corentin, Enmon, sowie Mitglieder der Baronie hatten keinen Aufwand gescheut, um ein Ritual vorzubereiten, mit dem Scelian vielleicht noch gerettet und vom Fluch befreit werden konnte. Das Ritual war bis ins kleinste Detail genau geplant und mit allen Gefährten besprochen worden. Jeder von ihnen hatte eine Aufgabe erhalten. Und jeder wusste: ein noch so unbedeutender Fehler, und Scelian konnte womöglich nicht mehr gerettet werden.

Enmon blieb noch ein wenig Zeit, bevor er eine letzte Meditation zur Vorbereitung auf das Ritual durchzuführen hatte. Seine Gedanken kreisten um die letzten Ereignisse in Dolchsturz, und die Gerüchte, die hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurden. Die Gefährten waren im Rosenlöwen in ihrem eigenen Gästezimmer von einem Magier angegriffen worden. Mit Hilfe von Illusionsmagie hatte sich der Feind als Enmon ausgegeben und versucht, Scelian von der Gruppe wegzulocken. Naniisa hatte im allerletzten Moment die daedrische Magie gespürt, die von dem falschen Kleriker ausging, und die anderen gewarnt. Es war nur dem Zusammenhalt der Gruppe zu verdanken, dass der feindlich gesinnte Magier im anschließenden Kampf knapp besiegt werden konnte.

Doch damit hörten die Rätsel und Geheimnisse nicht auf. Der Kampf im Gasthaus hatte natürlich Aufmerksamkeit erregt und die Stadtwachen herbei eilen lassen. Doch gerade, als die Gefährten festgesetzt und noch im Gasthaus befragt werden sollten, trafen vermummte Vertreter der Magiergilde ein und gaben Anweisungen, die Gefährten laufen zu lassen. Ihnen wurde gestattet, Scelian ins Heilerhaus zu bringen, doch spätestens nach 7 Tagen, so der strikte Befehl, mussten sie Dolchsturz unverzüglich verlassen.

Hinzu kamen Gerüchte um einen angeblichen Streit zwischen der Magier- und der Kriegergilde in Dolchsturz. Gerede über ein verschollenes Mitglied der Magiergilde auf Betnikh. Immer neue Berichte von Reisenden, die in letzter Zeit nördlich von Aldfelden spurlos verschwunden waren. Angebliche Bündnisse in den Cambray-Hügeln zwischen Reikmannen, Hexen und Werwölfen. Mit dem Tod ihres Mitglieds Sylvain Amaury hatte die Kriegergilde zudem begonnen, eigene Nachforschungen anzustellen. Was war nur bloßes Geschwätz, was entsprach der Wahrheit? Welche Gerüchte waren für die Gruppe von Bedeutung, welche hatten nichts mit den Nachforschungen der Gefährten zu tun? Welche Rolle spielten die Krieger- und Magiergilde von Dolchsturz? Vor allem aber war immer noch nicht klar, wer hinter all dem steckte - und welche besondere Bedeutung Scelian für ihren unbekannten Feind hatte. Es wurde ein immer verworreneres Netz, in dem sie alle sich mehr und mehr zu verfangen drohten. Für Enmon gab es keinen Zweifel - sie mussten nach Aldfelden reisen, um dort endlich Antworten zu finden.

Der Kleriker schüttelte sachte den Kopf. Bruder Corentin hatte natürlich recht, wenn er immer wieder daran erinnerte, dass die Heilung von Scelian derzeit den höchsten Stellenwert einnahm. Sobald das Ritual abgeschlossen war, konnten sie sich ganz auf ihre weiteren Nachforschungen konzentrieren. Doch nun galt es, alle Kraft auf das Ritual zu fokussieren. Es würde für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung werden, körperlich und geistig. Enmon fürchtete insgeheim um die geistige Gesundheit des Kaiserlichen. Denn der würde während des Rituals einen wahren Alptraum durchleben müssen ...

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

DerDualist (04.08.2020), SprichtWieDrachen (17.08.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

12

Montag, 17. August 2020, 14:55

Das Ritual

Der Fluch war gebrochen. Alle Beteiligten, allen voran Corentin, Enmon, und Scelian, waren bis an ihre geistigen und körperlichen Grenzen gebracht worden. Es hatte nur wenig gefehlt, und die beiden Geistlichen wären noch vor Vollendung des Rituals vor Erschöpfung zusammengebrochen, was unweigerlich das Ende von Scelian bedeutet hätte. Nun lag der Kaiserliche friedlich schlafend auf einem breiten Steinaltar. Wenn man nicht allzu genau hinsah, wirkte es fast, als sei Scelian von Arkay aufgenommen worden. Nichts deutete auf die Schrecken hin, die der bis vor kurzem noch verfluchte Kaiserliche durchmachen musste.

Den übrigen Gefährten war es kaum besser ergangen. Corentin hatte mit Hilfe einer Reliqiue von Normanier und einem sorgsam vorbereiteten Bannkreis all seine Fähigkeiten einsetzen müssen, um den Fluch zu brechen. Enmon wiederum hatte während der Durchführung deutlich gespürt, wie jemand -oder etwas- versuchte, Corentin immer wieder in seiner Konzentration zu stören. Der Kleriker hatte alles daran gesetzt, seinen Glaubensbruder mit heiliger Magie zu schützen. Auch Isra, Thalia und der Magier Alesdair Nelear von der Baronie hatten während des Rituals deutlich gespürt, dass daedrische Kräfte das Ritual zu stören versuchten und erheblicher Widerstand geleistet wurde. Halluzinationen, beklemmende Angstgefühle, und die ständige Furcht vor dem Versagen hatten allen Gefährten erheblich zugesetzt.

Nun saßen sie völlig erschöpft, doch auch erleichtert, auf den kleinen Steinbänken der Kapelle. Corentin und Enmon waren schweißgebadet, doch auch die anderen Gefährten konnten nicht verbergen, wie sehr das Ritual an ihren Kräften gezehrt hatte. Kaum jemand sprach, und jeder sehnte sich nur noch danach, sich zurückziehen und sein Lager aufsuchen zu können, um in einen erholsamen Schlaf zu fallen. Nur Enmon schien von innerer Unruhe getrieben zu sein. Trotz seiner immensen Erschöpfung schmiedete er bereits neue Pläne und verkündete, so rasch wie möglich die Baronie verlassen zu wollen. Er zeigte Verständnis für die Gefährten, die sich weigerten, jetzt schon an den nächsten Schritt zu denken und sich erst ausruhen wollten. Doch der Kleriker war nicht bereit, länger als nötig auf dem Anwesen Normanier zu bleiben. Während des Rituals musste Enmon etwas wahrgenommen haben, was ihn zutiefst beunruhigte.

Er gönnte sich nur wenig Schlaf, studierte schon früh am nächsten Morgen Karten und diverse Bücher, und traf Vorbereitungen für seine Abreise. Selbst Scelians Genesung schien den Kleriker nur spärlich zu interessieren. Enmon drängte es, eiligst nach Aldfelden zu reisen ...

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

SprichtWieDrachen (17.08.2020), Silann (17.08.2020), Corentin (18.08.2020), DerDualist (18.08.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

13

Dienstag, 8. September 2020, 12:27

Der Spion der Baronin

3 Tage waren seit der Befreiung des Kaiserlichen von seinem Fluch vergangen. Scelian hatte sich ein wenig erholt, auch wenn ihm die Strapazen der letzten Zeit immer noch deutlich anzusehen waren. Mit müden Schritten setzte er sich in der Kapelle auf eine der kleinen Steinbänke und hörte den anderen Gefährten bei ihren Beratschlagungen zu.

Kleriker Enmon beharrte weiterhin darauf, nach Aldfelden zu reisen. Die anderen waren jedoch nicht bereit, erneut kopfüber in eine Falle zu laufen. Erst recht, da Enmon seinen drängenden Wunsch nur durch "ein Bauchgefühl" erklären konnte. Erneut kam eine lebhafte Diskussion auf. Sollten die Gefährten nach Aldfelden reisen? Immerhin war die Hafenstadt das Ziel des Schmugglerschiffs "Schöne Marie" gewesen. In den nördlich gelegenen Sümpfen schienen seit einiger Zeit ungewöhnliche Dinge vor sich zu gehen. Zudem war das Vettelfenn eine gute Möglichkeit, im Verborgenen zu agieren. Der Verdacht, dass sich hier Boethiah-Kultisten versteckt hielten, war also nicht unbegründet.

Andererseits schienen die Gefährten es mit einem Feind zu tun zu haben, der überall seine Augen und Ohren hatte und der Gruppe stets einen Schritt voraus war. In der Baronie Normanier wären sie geschützt und halbwegs sicher vor dem Feind, bis sie genügend Kraft gesammelt hätten. Wenn sie ihr bisheriges Wissen der Löwengarde mitteilten, würden sich sicher die Soldaten um die Ereignisse im Vettelfenn kümmern.

Magier Alesdair Nelear, Hofmagier der Baronie Normanier, schüttelte nur den Kopf, nachdem er eine ganze Weile zugehört hatte. Wenn diese Narren nach Aldfelden reisen wollten, hatten sie dann wirklich vor, blindlings in die Stadt zu laufen? Als der Magus die Aufmerksamkeit der Gefährten hatte, schlug er ihnen vor, bei der Baronin ein gutes Wort einzulegen und um einen Spion zu bitten. Ein Späher, der die Lage vor Ort auskundschaften sollte. Sobald abgeschätzt werden konnte, wie gefährlich die Lage in Aldfelden wirklich war, konnten immer noch die nächsten Schritte geplant werden. Nach kurzer Beratschlagung schlossen sich die Gefährten dem Vorschlag an. Selbst Enmon war bereit, vorerst auf den Bericht des Spions zu warten.

Die Tage vergingen, und die Gefährten wurden zunehmend unruhiger, als der Spion nicht zurückkehrte. War er enttarnt worden? War ihnen der Feind einmal mehr einen Schritt voraus? Nervosität machte sich breit. Dann -endlich- gab es Neuigkeiten. Alles war gut verlaufen, und der Spion wusste folgendes zu berichten:
  • Es gab auffallend viele ranghohe Mitglieder der Magier- und Kriegergilde in Aldfelden. Und die Löwengarde war aktiver mit Kampfübungen beschäftigt als sonst. Begründet wurde das mit erhöhter Aktivität von Werwölfen. Merkwürdigerweise gab es jedoch keine Anzeichen für eine größere militärische Aktion. Ganz so, als wolle man Aldfelden mit allen Mitteln schützen, darüber hinaus jedoch nichts unternehmen.
  • Es gab Gerüchte, dass in den Sümpfen etwas vor sich gehen würde. Manche Bewohner behaupteten, ein neuer Werwolfanführer plane einen Angriff auf Aldfelden. Andere waren sich sicher, dass die Vetteln, bösartige Sumpfhexen, sich mit den Werwölfen verbündet hätten. Zu welchem Zweck, blieb jedoch unklar.
  • Seit etwa 4 Monaten verschwanden immer wieder Reisende, die von oder nach Aldfelden durch die Sümpfe reisen wollten. Oft waren es nur einzelne Personen oder Zweier-Gruppen, nie jedoch größere Gruppen. Anfangs war es erst gar nicht aufgefallen, da es sich eben nur um vereinzelte Reisende handelte, die nicht zu Aldfelden gehörten. Erst als zwei Kaufleute aus Camlorn unabhängig voneinander Nachforschungen in Aldfelden anstellen liessen, weil sie ihre Unterhändler vermissten, wurde deutlich, dass etwas nicht stimmte.
  • Vor wenigen Nächten wurde eine Stadtwache von Aldfelden wenige Schritt vor den nördlichen Toren tot aufgefunden. Laut der Löwengarde wurde die Wachfrau von einem Werwölf getötet. Der Anblick der Leiche muss so schrecklich gewesen sein, dass die Löwengarde den toten Körper rasch verbarg. Es gab jedoch einzelne Stimmen, die hinter vorgehaltener Hand behaupteten, es sei keineswegs ein Werwolfangriff gewesen. Vielmehr sei der Wachfrau auf äußerst fachmännische Weise das Genick gebrochen worden. Wie die vermeintlichen Zeugen zu dieser Behauptung kamen, wollten sie jedoch nicht verraten. Sie schienen sich offenbar vor etwas zu fürchten.
  • Eine Gruppe von 5 Forschungsreisenden wollte Kontakt mit den im Vettelfenn lebenden Wyrdinnen aufnehmen, um mehr über sie zu lernen. Dass Wyrdinnen Fremden gegenüber zurückhaltend sind, ist nicht neu. Doch die Forscher wurden von den Wyrdinnen vehement abgewiesen und eindringlich aufgefordert, die Sümpfe rasch zu verlassen. Die Forscher fühlten sich im Sumpf ständig beobachtet und berichteten übereinstimmend von etwas "bösartigem" im Sumpf, ohne es näher beschreiben zu können. Die Gruppe reiste kurz darauf wieder ab, Richtung Dolchsturz.

Erneut beratschlagten sich die Gefährten und diskutierten über den nächsten Schritt. Schließlich einigten sie sich, möglichst rasch nach Aldfelden aufzubrechen, um dort den Gerüchten nachzugehen und der Spur des Schmugglerschiffs "Schöne Marie" zu folgen.

Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

SprichtWieDrachen (08.09.2020), DerDualist (09.09.2020), Corentin (11.09.2020), Silann (14.09.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

14

Montag, 14. September 2020, 15:05

Neue Gefährten

Fast schon mit so etwas wie Zuversicht brach die Gruppe von der Baronie Normanier aus auf Richtung Aldfelden. Dank des Spions hatten sie nun zumindest eine ungefähre Vorstellung, was sie in der Hafenstadt erwarten würde. Vor allem aber fühlte es sich nach langer Zeit endlich einmal so an, als ob sie nicht erneut blind und ahnungslos in eine Falle laufen würden. Durch weitere Informationen gelang es vielleicht sogar, einen Vorteil zu erlangen, um ihrem unbekannten Feind näher zu kommen und seine Pläne aufzudecken.

Sie hatten am frühen Abend die nördlichen Ränder des Vettelfenns erreicht und sich an einer Ruine niedergelassen, um ein kleines Lager aufzuschlagen. Während Scelian und Corentin die nähere Umgebung untersuchten, blieben Farha, Naniisa, Isra und Thalia zurück. Sie bauten mit Steinen eine einfache Feuerstelle, mühten sich mit feuchtem Brennholz ab, und redeten sorglos miteinander. Doch die Gefährten wurden auf Anhieb still, als sich drei Gestalten zu Fuss ihrem Lager näherten. Zunächst alarmiert und wachsam, legte sich zumindest bei den Frauen rasch die Anspannung, als sie erkannten, wen sie vor sich hatten. Denn zwei der drei Personen waren den Gefährten bereits vertraut: es waren die beiden Bosmer Errandil und Elxenia, die der Gruppe auf Stros M'Kai bereitwillig eine Überfahrt nach Dolchsturz ermöglicht hatten, als die Lage auf der Pirateninsel für die Gefährten gefährlich wurde.

Die beiden Bosmer freuten sich über ein Wiedersehen, doch die dritte Person, augenscheinlich eine bretonische Waldläuferin, blieb misstrauisch - ebenso wie Isra. Erst nach einem längeren Wortwechsel waren schließlich auch Isra und Isabelle, so der Name der Waldläuferin, bereit, einander so weit zu vertrauen, dass Isabelle erzählte, wie sie auf die beiden Bosmer gestossen war, und was sie ins Vettelfenn trieb.

Isabelle und ihre Gefährtin Alina waren abenteuerlustige Waldläuferinnen, die es immer dort hinzog, wo es etwas zu entdecken gab. Sie hatten von den Gerüchten rund um das Vettelfenn gehört. Von angeblichen Verschwörungen der Hexen, von besonders aggressiven Werwölfen, und auch von Reisenden, die den Sumpf durchqueren wollten und spurlos verschwanden. Die beiden Frauen mussten im Vettelfenn rasch feststellen, dass die Gerüchte keineswegs völlig aus der Luft gegriffen waren. Die Hexen schienen ohne erkennbaren Grund beunruhigt, und auch die Werwölfe wirkten noch gereizter und angriffslustiger, als es ohnehin ihrer Natur entsprach. Und noch etwas bemerkten die Waldläuferinnen während ihrer Erkundung - etwas Bedrohliches hatte sich in das Vettelfenn eingeschlichen. Etwas, das weder von den Werwölfen noch von den Hexen ausging. Versuche, mit den Wyrdinnen Kontakt aufzunehmen, um mehr zu erfahren und vielleicht sogar zu helfen, schlugen fehl. Die Wyrdinnen drängten Isabelle und Alina vielmehr, den Sumpf so rasch wie möglich zu verlassen, sollte ihnen ihr Leben etwas bedeuten.

Bei einer letzten Erkundung stiessen die beiden Waldläuferinnen auf eine verlassene Hexenhütte. Hier, davon waren die Frauen überzeugt, lag der Ursprung des Bösen, das sich im Vettelfenn eingenistet hatte. Doch bevor sie mehr herausfinden und die Hütte betreten konnten, spürten sie plötzlich Angst und Beklemmung in sich aufsteigen. Isabelle und Alina konnten in den Nebelschwaden um sie herum kaum etwas erkennen, doch sie spürten deutlich, etwas lauerte im Nebel und beobachtete die beiden Frauen. Dann ging alles rasend schnell. Ein Krieger von ungewöhnlich großer Statur stand plötzlich vor ihnen und verpasste Isabelle einen kräftigen Schlag gegen die Brust, der die Waldläuferin mehrere Schritt wegstiess. Während sie noch am Boden lag und nach Luft schnappte, wurde Alina vom Krieger mit nur einer Hand am Hals gepackt und ohne große Anstrengung hochgehoben. Dann verschwand der Krieger mitsamt Alina. Isabelle rannte völlig verängstigt zurück zum Hauptpfad und weiter nach Aldfelden, wo sie sich versteckt hielt. Nach einigen Tagen traf sie die beiden Bosmer, und nachdem die drei sich angefreundet hatten, erklärten Errandil und Elxenia sich bereit, der Bretonin bei der Suche nach ihrer vermissten Freundin zu helfen.

In der Gruppe wurde nach der Rückkehr von Corentin und Scelian eifrig über die Geschichte diskutiert. Womöglich gab es in der Hexenhütte tatsächlich Antworten. Zudem ergab es durchaus Sinn. Das Schmugglerschiff "schöne Marie" hatte womöglich auf Stros M'Kai verbotene Waren geladen und nach Aldfelden gebracht. Von dort aus war es nicht weit bis in die Sümpfe und die Hexenhütte. Hatten die Kultisten sich hier also ein Versteck ausgesucht und bereiteten ihre Pläne vor? Waren die verschwundenen Reisenden unerwünschte Zeugen geworden? Oder gar Opfer?

Doch andererseits war das Misstrauen gegenüber Isabelle groß. Zu oft wurden die Gefährten in letzter Zeit getäuscht und verraten. Isabelle sollte ihre Geschichte erneut erzählen, es wurde nachgehakt und Fragen gestellt. Schließlich einigten sich die Gefährten darauf, der Waldläuferin vorerst zu helfen und sie zur Hexenhütte zu begleiten, wenn auch mit Vorbehalt und großer Vorsicht.

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

DerDualist (14.09.2020), Silann (14.09.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

15

Mittwoch, 16. September 2020, 10:11

Gedanken

Isra der Rothwardone, immer bemüht einen Ausgleich in der heterogenen Gruppe zu finden, auf Wacht und Ablösung, die ihm einige Stunden später zuteil wird. Was macht einer wie er hier mitten in einem Kampf gegen Dinge von denen er auch bei allem was ihm nach und nach zuteil wird, wieder nur Schatten sehen kann. Magie war nie sein Steckenpferd. Was er sieht ist eine für ihn, über manche Erfahrung hinweg fast surreale Realität. Naniisa die einen Weg eingeschlagen hatte, den er nicht mehr verstehen kann, selbst wenn er es wollte, Scelian der für ihn Dreh -und Angelpunkt des Ganzen ist. Die Gefährten in seinem Dunstkreis. Kriecht in sein Zelt. Das Schwert neben seinem Kissen postiert. Jederzeit griffbereit. Die Normanier, ein Ort den er nie vergessen wird. Es gilt der Blick nach vorne. Zu tun was in seinem Ermessen steht.

verfasst von Silann


~ ~ ~


Reaktionen und Verhaltensweisen zu beobachten wurde trotz aller Vorhersehbarkeit niemals langweilig. Selbst wenn die Antwort auf eine Aktion wirkte als wäre sie längst im Fluss der Zeit festgeschrieben. Tuscheln und Unzufriedenheit, blanke Unbedachtheit, Verneinung aus Prinzip, nicht aus Fachkenntnis, nicht aus Wissen. Der Tag ohne Überraschungen lud lediglich zur einer inneren Debatte ein, wie es um den freien Willen bestellt war. Als Scelian während seiner Wachschicht verschiedene Steine aufsammelte, von Brocken bishin zu kleineren Kieseln, ließ er den Tag revue passieren und unterdrückte dabei den Drang vor Verachtung auszuspucken. Höhere Mächte, Dreckspack allesamt, von Göttlichen bishin zu den Daedra und dem weltverpestenden Kultistenabschaum. Selbstbeherrschung war das Zauberwort. Disziplin, die ihm eingeprügelt wurde bevor er sich selbst schaden konnte. Der gleichmäßige Atem, routinierte Übungen, hatten das Rauschen in den Ohren gestoppt als Corentin gegenüber Isabelle anfing von Akatoshs Gnade zu faseln, ohne dass jemand seine blanke Verachtung für das göttliche Erbarmen bemerkt hatte.

Gnade kannten weder die Daedra, noch die Götter. Akatosh tat nichts, als der ihm geweihte Tempel des Einen geschändet wurde. Er tat nichts, als die Magier während des Seelenbruchs irre wurden, flehten, starben. Als Livia starb. Keine Gnade als die Anker fielen, als die Invasion aus den finsteren Reichen begann, als die Horden aus Kalthafen Seelen für den Gott der Unterwerfung fingen und die Lebenden darniedermetzelten. Keine Gnade, als er versucht hatte, die Seelen der seinen zu retten, keine Gnade für das kriegsgebeutelte Tamriel, keine Gnade für die angeblichen Benirusbastarde. Keine Gnade für Albert, keine Gnade für Sylvain, keine Gnade für Alina. Keine Gnade für die Verfluchten, für die Gewandelten. Keine Gnade für jene, die die Kriege der Mächtigen austrugen, keine Gnade für jene, die in sinnlosen Schlachten verstümmelt wurden und starben. Und sowie es keine Gnade für reine Seelen gab, für jene, die im Herzen gut waren, so gab es auch keine Sühne für die Verkommenen. Keine Wiedergutmachung der Sünden, keine Vergebung. So war es völlig gleich und die Wahl der Seite war folgenlos der eigenen Entscheidung unterworfen.

Furcht? Was war Furcht wenn nicht der Zweifel vor der Pointe dieses misslungenen Witzes. Er hatte den großen Krieger oft in seinen Träumen gesehen. Gesichtslos. Er hatte die Schreckensbilder des Fluches gesehen. All ihre Masken waren nichts als faule Magie. Amateure. Der falsche Enmon hatte es bewiesen. All das war nicht länger ängstigender als ein bretonischer Maskenball. Scelian wog einen faustgroßen Stein in seiner Hand und sah hinüber zu den Zelten der schlafenden Gefährten. Das Übel würde ausgemerzt werden und Boethiah würde große Freude daran haben. Eine Ironie, die viele erst zu spät bemerken würden. Oder nie.

verfasst von Scelian

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (16.09.2020), Marima at-Amal (16.09.2020)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 694

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

16

Freitag, 18. September 2020, 14:06

Tief in den Sümpfen

Angespannt waren die Nerven als sie aufgebrochen sind um die Waldläuferin zu der Hütte zu begleiten. In strenger Formation wagten sie sich in den Sumpf hinein, welcher so manch einen Abenteurer in der Vergangenheit geschluckt hatte. Das laute Zirpen von Zirkaden, die grellen Schreie von fernen Vögeln und das herbstliche letzte Quaken von etlichen Froschpopulationen begleitete sie die ersten Meilen. Doch je tiefer sie in den Sumpf reisten, näher zu der Hütte desto düsterer wurde die Stimmung.

Der Morgen, an welchem sie aufbrachen war verhangen. Und dennoch war er klar genug um einander Halt zu geben. Doch als sie der Hütte näher kamen kam ein seltsamer Nebel auf, welcher wie die Kälte des Todes über dem Morast waberte. Dicke Schwaden, welche nur Unheil bedeuteten zogen sich über den Sumpf. Sämtliche Geräusche wurden in dem Nebel geradezu erstickt, als herrsche der Tod an diesem Ort. Keine Tiere, welche ihren Weg mehr begleiteten. Nur noch eine erdrückende Stille. Nur noch das Schmatzen der Schritte, wie auch das leise angespannte Flüstern zeigte noch einen Hauch Realität.

Es war als wären sie durch einen Schleier getreten, welcher sie in eine ganz andere Ebene der Realität führte. Der Nebel, welcher sie umwaberte war nicht natürlich. Das unangenehme Gefühl kroch ihre Rücken hinab, wie die Berührung einer kalten Hand. Und jene, welche sich von der Angst einlullen ließen, wurden von den Nebel geradezu von der Gruppe weggelockt. Besonders Thalia, wie auch Naniisa hatten mit dem Nebel zu kämpfen. Thalias Angst in dem eisigen Hauch des Chaos, wollte sie wie ein zartes Versprechen von der Gruppe weglocken. Sie sah Schemen in den dichten Schwaden hinweg ziehen, als der Nebel der Gruppe die Sicht nahm. Der Mönch nutzte seine Magie um die Gruppe mit Hilfe eines Zaubers zu geleiten. Wie weggetreten konzentrierte er sich darauf, während Scelian seiner Pflicht nachkam die Gruppe zu leiten.

Auch Naniisa, welche mit ihrer besonderen Magieempfindlichkeit empfänglicher war für den Nebel, welcher die Sinne verwirren sollte, konnte einen schweren Druck des Chaos spüren. Überall um sie herum schien die Welt einzubrechen, auf sie einzuprasseln. Wie ein Schleier welcher an ihrer Seele zu nagen versuchte. Je tiefer sie kamen, desto düsterer wurden die Gedanken des Nebels. Doch dank der Schutzamulette konnten sie einen Teil der Daedrischen Magie erwehren, und erzitterten in dem Grauen welcher noch auf sie zukam.

Plötzlich stoben panische Kobolde auf sie los, welche sich ebenfalls in dem unheilvollen Nebel verloren hatten. Sie zerrten an ihren Kleidungen, zerkratzten und schrien jammervoll vor sich hin. Jeder Moment wurde zu einer Qual, bis die winzigen Biester von ihnen abließen als sie kaum mehr fern von der Hütte waren. Hinter einer Felsformation, welche an einer winzigen Ausbuchtung mündete, musste sich die Gruppe formieren. Verletzte mussten versorgt werden, der Mönch musste seine Magicka sammeln, welche dank dem beschwerlichen Weg ausgezehrt war. Und in der Ferne, fast wie ein Traum lichtete sich der Nebel und gab die Hütte für die Blicke der Gruppe frei.

Ein goldener Schein beschien die Hütte, wie ein friedlicher Hain welcher unter dem Zeichen der Götter stand. Doch in diesem Nebel schien ihnen die eigene Wahrnehmung einen Streich zu spielen. Sie würden ihren Plan einhalten, doch irgendetwas stimmte dort nicht. Etwas, was Corentin nicht direkt sagen wollte ehe er seine Magicka gesammelt hatte um es näher zu überprüfen.

verfasst von Corentin

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Narmaeril (18.09.2020), DerDualist (18.09.2020)